Einem würdevollen Erinnern am Freitag mit Gottesdiensten, Totenmessen und einer Kranzniederlegung folgte am Samstag ein Aufmarsch von rund 6000 Neonazis aus ganz Deutschland und dem Ausland. Ihnen stellten sich mehr als 10 000 Demonstranten entgegen, die unter dem Motto „Geh Denken“ gegen einen Missbrauch dieses Datums durch Rechtsextremisten protestierten.

Gewaltexzess auf dem Rastplatz: Mehr auf Seite 2.

Nach der Gedenkversanstaltung eskalierte die Gewalt auf einem Autobahnrastplatz: Zwei Busse mit Gegnern des Nazi-Aufmarsches aus Hessen und Nordrhein-Westfalen, zu denen 80 Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), der Linkspartei und Friedensaktivisten gehörten, wurden auf dem Rastplatz Teufelstal bei Jena attackiert. Teilnehmer einer 41-köpfigen Gruppe einschlägig bekannter Neonazis aus Deutschland und Schweden schlugen laut Polizei auf die Opfer ein. Teilnehmer berichteten nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, von schlimmen Jagdszenen. Ein Opfer erlitt eine zertrümmerte Kniescheibe, ein anderes eine Schädelfraktur. Für die Ermittlungen richtete die Polizei eine Sonderkommission ein.

Friedlicher war es zuvor in Dresden zugegangen: Mit Sternmärschen und Kundgebungen demonstrierten am Samstag mehr als 10 000 Menschen gegen Rechtsextremismus. Sie wandten sich gegen einen Aufmarsch von etwa 6000 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland, darunter auch die Führungsriege der NPD. Anfangs versuchten einige Demonstranten, den Marsch der Neonazis mit Sitzblockaden aufzuhalten.

Rechtsextreme versuchen seit Jahren, das Gedenken an die Zerstörung der Stadt bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomben am 13. und 14. Februar 1945 für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Krawalle hielten Polizisten in Atem. Weiter auf Seite 3

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von rund 4300 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz. Es sei auf strikte Trennung der Aufzüge gesetzt worden, um Provokationen zu verhindern, teilte der Dresdner Polizeipräsident Dieter Hanitsch mit. 86 Personen seien in Gewahrsam und drei vorläufig festgenommen worden. Ermittelt werde wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und versuchter Brandstiftung. 30 Beamte wurden leicht verletzt.

Ein überparteiliches Bündnis hatte die Dresdner aufgerufen, unter dem Motto „Geh Denken“ ein deutliches Zeichen gegen Rechts zu setzen. Auch bundespolitische Prominenz wie SPD-Chef Franz Müntefering, Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, reihten sich ein. Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte zum Auftakt: „Es ist gut, dass hier so viele Menschen stehen und Flagge zeigen. Wir müssen die Antidemokraten heute und an jedem anderen Tag in die Schranken weisen.“

„Die Opfer haben ein würdiges Andenken verdient und keine Vereinnahmung durch rechtsextreme Propaganda“, sagte Roth. Gysi verlangte ein Verbot der rechtsextremen NPD, die an vorderer Stelle am Nazi-Aufmarsch teilnahm. Müntefering erinnerte an die Schuld der Nazis am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. „Keine Toleranz gegenüber Intoleranten. Das gehört zur wehrhaften Demokratie auch mit dazu.“

Was vom Gedenken bleibt: Mehr dazu auf Seite 4.

Seit Samstag erinnert eine Inschrift am Altmarkt an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Bei der Bombardierung Dresdens kamen etwa 25 000 Frauen, Männer und Kinder ums Leben. Bereits am Freitag hatte die Stadt auf mehreren Veranstaltungen ihrer Toten gedacht und zugleich für Frieden und Völkerverständigung geworben.