Von Benjamin Lassiwe

Unter Brandenburgs Jägern bleibt es weiter ein heißes Eisen: Darf unter bestimmten Umständen in den Wäldern des Landes künftig jeder einjährige Hirsch und jedes weibliche Reh abgeschossen werden, damit die Waldverjüngung besser klappt? Am vorigen Samstag  hatte die RUNDSCHAU über die vom Potsdamer Landwirtschaftsministerium geplante Änderung der Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz berichtet. Und auch im Landwirtschaftsausschuss des Landtags sorgten die geplanten Änderungen nun für Verärgerung.

„Ich kann das nicht mittragen“, sagte der CDU-Umweltpolitiker Dieter Dombrowski. Der Landtagsvizepräsident verwies in der Sitzung auf eine Presseerklärung des Landesjagdverbands: Der Verband hatte die Jäger in Brandenburg zum Boykott der Jagden aller Landeswaldoberförstereien aufgerufen, die die Möglichkeit zum hemmungslosen Abschuss von Rehen und Jungtieren schaffen.

„Dann könnte es doch tatsächlich schwierig werden, die geplanten Abschusszahlen zu erreichen“, hieß es in einer Pressemitteilung des Verbands. Dagegen berichtete Dombrowski von einem seiner Bekannten, der ein Jagdrevier im Havelland besitzt. Der benachbarte Landesforst habe sich geweigert, an gemeinsamen Drückjagden teilzunehmen. „Bevor ich mit der Ausweitung von Jagdzeiten eingreife, müsste ich erst einmal die Möglichkeiten nutzen, die ich habe“, sagte Dombrowski. Das Land bleibe derzeit noch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Und auch sein Fraktionskollege Andreas Gliese berichtete von wütenden Jägern, die sein Wahlkreisbüro in Eisenhüttenstadt regelrecht „okkupiert“ hätten. „Dass man nun auch die Jagd auf den Fuchs einschränken will, erschließt sich mir gar nicht.“

Doch der zuständige Referatsleiter im Landwirtschaftsministerium, Carsten Leßner, wollte das nicht stehen lassen. Denn der Landesjagdverband habe im Landesjagdbeirat der Durchführungsverordnung zunächst einmal zugestimmt. „Mit der Verordnung geben wir den Jägern mehr Freiheiten, mehr Eigenverantwortung“, sagte Leßner. „Sie können selbst entscheiden, wann sie den Rehbock schießen und wann sie das nicht tun.“ Durch die Verordnung werde kein Stück Wild mehr geschossen. Es müsse immer noch „der Jäger den Finger krumm machen“, um zu einem Abschuss zu kommen. Und auch der SPD-Landwirtschaftspolitiker und ehemalige Präsident des Landesbauernverbands, Udo Folgart, unterstützte die geplante Verordnung. „Es war eine Kernforderung der Jäger, eine Durchführungsverordnung zu haben“, sagte Folgart. „Es ist ein Kompromiss, der nicht alle glücklich macht, aber der das Ziel zu erreichen scheinen lässt.“

Die CDU-Vertreter überzeugte Leßner damit freilich ebenso wenig wie die fraktionslose Abgeordnete und begeisterte Jägerin Iris Schülzke. „Die Jägerschaft und die Kreisjagdbehörden haben sich zu der Verordnung heftig kopfschüttelnd geäußert“, sagte Schülzke. „Es ist den Menschen draußen auch nicht zu erklären.“

Aber der Protest der Opposition im Ausschuss nutzte nichts: Denn das Landtagsgremium kann die Verordnung des Ministeriums nicht kippen, es muss den Text lediglich zur Kenntnis nehmen. Und das ist durch die Beratung darüber am Mittwoch dann geschehen.