Brandenburgs Jäger wollen eine Obergrenze für den Wolf. "Im Süden des Landes ist die erträgliche Anzahl an Wölfen bereits erreicht, im Norden gibt es noch etwas Luft", sagte der Präsident des Landesjagdverbands, Dirk-Henner Wellershoff, am Montag vor Journalisten in Michendorf.

Der Verband gehe davon aus, dass die offiziell angegebenen Zahlen von knapp 200 Tieren in Brandenburg eher die Untergrenze der tatsächlich vorhandenen Individuen darstelle. Man rechne selbst mit 300 bis 500 Tieren im Land.

"Als Naturliebhaber sehen wir begeistert, wie sich geschützte Arten ihre Lebensräume zurückerobern", sagte Wellershoff. "Die Probleme damit dürfen aber nicht überhandnehmen." Wie Wellershoff sagte, müsse es für die Wölfe im Land Rückzugsorte geben. Auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, in Bergbaufolgelandschaften oder in Naturschutzgebieten könne sich die Art ungehindert ausbreiten. "Im Besiedlungsraum ist die Art dagegen nicht erwünscht und nicht gewollt", sagte Wellershoff. Dort setze man sich für eine konsequente Vergrämung von Wölfen ein.

Um die Ausbreitung der Wölfe weiter zu verfolgen, hat der Landesjagdverband für seine Mitglieder nun eine App programmieren lassen. Die bislang schon mehr als 150 Jäger, die in Wolfskunde geschult wurden, können damit nun mit genauen GPS-Daten Spuren von Wölfen oder gerissene Tiere melden.

"Das vereinfacht das Monitoring der Wölfe ungemein", sagt der Wolfsbeauftragte des Landesjagdverbands, Robert Franck. "Ein Handy hat heute ja schließlich jeder dabei." Dadurch solle mehr Licht in das Dunkel um die Zahl der Wölfe, deren Ausbreitung und die Zahl der Wolfsrisse gebracht werden. Wenn am Mittwoch das nächste Wolfsplenum zur Evaluierung des Wolfsmanagements in Brandenburg stattfindet, wollen sich die Jäger jedenfalls dafür einsetzen, den nächsten Managementplan erneut auf maximal drei Jahre, eventuell sogar noch kürzer, zu befristen.

Nötig seien außerdem schnellere Entscheidungen im Umgang mit "Problemwölfen": Vergrämungsmaßnahmen sollten innerhalb von einer 24 Stunden Frist genehmigt werden, die als "Entnahme" bezeichnete Tötung auffälliger Tiere innerhalb von 48 Stunden.

Geht es nach den Vertretern des Bauernbundes, der die bäuerlichen Klein- und Familienbetriebe im Land vertritt, müsste sogar noch drastischer gehandelt werden: Jeder Wolf, der sich Siedlungen, Menschen oder Viehweiden auf weniger als 1000 Meter nähert, sollte sofort erschossen werden, schrieb der Geschäftsführer des Bauernbundes, Reinhard Jung, in einem Brief an Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde, das der RUNDSCHAU vorliegt. Zwischen November und Februar sollte dort, wo eine zu hohe Rudeldichte absehbar zu Problemen führen werde, zudem der reguläre Abschuss ganzer Rudel möglich sein.

"Erst wenn der Wolf in Brandenburg seine natürliche Scheu zurückgewonnen hat und eine ganz normale jagdliche Bewirtschaftung des Bestandes stattfindet wie bei jeder anderen Wildtierart auch, kann von einem Wolfsmanagement gesprochen werden."Alles andere sei ein Angriff auf die Weidetierhaltung und werde aufs Schärfste verurteilt.