"Wir stehen unerschütterlich an der Seite der Kirchen und der Gewerkschaften", machte Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt unmissverständlich klar. Die Linken als Vorkämpfer der Sonntagsruhe, das ist selten. Der Abgeordnete Klaus Tischendorf wurde am Mittwoch sogar biblisch. Der siebte Tag der Woche, an dem der Herr sich niedersetzte und sah, dass sein Werk gut war, dürfe nicht "Stück für Stück ein Tag wie jeder andere" werden.

Diese salomonische Feststellung sorgte für wutrote Köpfe in der CDU-Fraktion. Denn die musste auf Druck des Koalitionspartners FDP die Änderung des Sonn- und Feiertagsgesetzes durchwinken - nicht ohne vorherige Gewissensmartern. Da warnte der CDU-Mann Peter Schowtka vor sonntäglichen "Waschorgien von Autofetischisten". Fraktionskollege Peter Patt verweigerte gar die Abstimmung.

Auslöser des Ärgers sind Selbstwaschanlagen mit Hochdruckreinigungsgeräten. Die dürfen laut Beschluss nun zwar am Sonntag öffnen, jedoch nur zwischen zwölf und 20 Uhr. Und nur in Gewerbegebieten, wo sich Freunde der Sonntagsruhe dann wohl kaum aufhalten.

Das schwarz-gelbe Sonntagsgesetz war schon einmal in Kraft, musste aber nachgebessert werden, weil SPD und Linke vor dem Verfassungsgericht geklagt hatten. Eine Schlappe für die FDP, die für die Betreiber von Autowaschanlagen die Öffnung am Sonntag erstreiten wollte.

Nach dem Verfassungsgerichtsurteil hatte es sich erstmal ausgewaschen. CDU-Wirtschaftssprecher Frank Heidan betonte denn auch als Vorteil, dass die Hauptgottesdienstzeiten weiterhin geschützt blieben. Auf diese Weise sei man "mit dieser Aufgabe sehr sensibel und verantwortungsvoll umgegangen".

Zwischen acht Uhr und Mittag soll nun also nicht gewaschen werden. Eine Teilschlappe für die Liberalen, die am Mittwoch dennoch frohlockten: "Die gute Nachricht ist, dass die Waschanlagen wieder öffnen können", sagte der FDP-Abgeordnete Torsten Herbst. Das sei auch für alle gut, denn ob einer am Sonntag sein Auto waschen wolle, sei eine "zutiefst private Entscheidung", so Herbst.

FDP-Wirtschaftsminister Sven Morlok winkte die Ängste des Koalitionspartners ab. Eine vollautomatische Autowaschanlage, so Morlok, sei am Ende auch nichts anderes als eine Geschirrspülmaschine. Die rumpelt sonntags in der Wohnung vor sich hin, ohne dass sich jemand aufregt. Die Waschanlage sei einfach größer und brauche auch kein Bedienpersonal, über deren Sonntagseinsatz sich die Gewerkschaften aufregen müssten. Das überzeugte im Plenum keinen so richtig. Der Evangelische Arbeitskreis der CDU teilte schriftlich mit, er hätte sich im Gesetz "mehr CDU und weniger FDP" gewünscht.

Der CDU-Mann Alexander Krauß räumte ein: "Wenigstens ist die Regelung jetzt nicht mehr verfassungswidrig." Der Linken-Fraktionschef nahm zur Kenntnis, "dass der Partei mit dem C nichts mehr heilig ist".

Grünen-Wirtschaftssprecher Michael Weichert empfahl zum besseren Schutz der Sonntagsruhe mehr Investition in den Nahverkehr, denn: "wenn ich mein Auto nicht brauche, brauche ich es sonntags nicht waschen".