Besonders in Polen und Malta sind viele Menschen skeptisch, dass ihnen die Mitgliedschaft mehr bringt als nimmt. Dort und anderswo entscheiden Volksabstimmungen über die Ehe, die ab 1. Mai 2004 vollzogen werden soll. Der maltesische Ministerpräsident Eddie Fenech Adami will sein Referendum so schnell wie möglich abhalten - bevor die in Kopenhagen vermittelte Champagnerstimmung verrauscht. Die Zustimmung zur Erweiterung unter den 390 000 Einwohnern der Insel sank in den Umfragen zuletzt auf 38,2 Prozent, 36 Prozent waren unentschlossen. Immerhin handelte Adani aus, dass Malta sein Abtreibungsverbot und seine militärische Neutralität behalten darf. Jetzt sei es Zeit für die Malteser, zu entscheiden, ob sie aus dem Schiff springen wollten, sagte der Regierungschef.
Noch härter als Malta verhandelte Polen. Dort bejubelte am Wochenende zwar die Elite des Landes die historische Dimension der Verankerung in Europa. Doch vor allem Bauern und streng gläubige Katholiken gilt es noch zu überzeugen. Die Liga der polnischen Familien hat bereits ein "Komitee für die Unabhängigkeit" gegründet. Der polnische Ministerpräsident Leszek Miller habe in Kopenhagen kapituliert, schimpfte am Tag nach dem Gipfel die ultra-katholische Tageszeitung "Nasz Dziennik". Die polnische Regierung hofft, dass Volksabstimmungen in Ungarn, Tschechien und der Slowakei eine Dynamik für ein "Ja" der Polen schaffen. Die aus diesen vier Ländern bestehende, so genannte Visegrad-Gruppe will den Zeitplan für die Referenden eng abstimmen. Als Erste sollen die Länder mit den meisten Befürwortern zu den Urnen gehen. Dann würden sich auch di e Polen einem Beitritt nicht entziehen, lautet das Kalkül in Warschau.