Dort soll in den nächsten Tagen die künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr schrittweise verringert werden. Der Sterbeprozess könne 15 Tage dauern, schätzten Experten. Damit ist die Sterbehilfedebatte in Italien wieder voll entbrannt. Die Kirche der Region kündigte Betwachen vor der Klinik an. Vor Abfahrt des Krankenwagens kam es zu heftigen Protesten von Sterbehilfe-Gegnern. Spruchbänder wie "Wach auf, Eluana, man will dich umbringen" empfingen den Krankentransport in Udine. "Haltet diese Mörderhand auf", protestierte auch der vatikanische Gesundheitsminister, Kardinal Javier Lozano Barragan, in einem am Dienstag veröffentlichten Appell. Die künstliche Ernährung zu unterbrechen, komme "einem verabscheuungswürdigen Mord gleich", sagte der Kardinal. Papst Benedikt XVI. hatte sich immer wieder gegen die Sterbehilfe ausgesprochen. Eluana war 1992 nach einem Unfall ins Koma gefallen. Ihr Vater hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter einstellen zu dürfen. Bereits im vergangenen November hatte das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz entschieden, die künstliche Ernährung der Italienerin könne eingestellt werden. Die Aufnahme in eine andere Privatklinik und später in ein öffentliches Krankenhaus, das sich bereiterklärt hatte, die Koma-Patientin in den Tod zu führen, war jedoch zunächst am italienischen Gesundheitsministerium gescheitert. Während linke Politiker Respekt für das Leiden der Familie einforderten, erklärte Gesundheitsminister Maurizio Sacconi, man sei dabei, "die Sachlage formal auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen". Sacconi hatte bis zuletzt per Dekret und Androhung finanzieller Konsequenzen versucht, die Ausführung der gerichtlich genehmigten Sterbehilfe zu verhindern. Vater Englaro hatte immer wieder betont, Eluana habe ihm vor ihrem Unfall gesagt, in einem solchen, von Ärzten als "irreversibel" bezeichneten Zustand, doch lieber sterben zu wollen. Bisher sind in Italien im Unterschied zu Deutschland, wo es ein Recht auf passive Sterbehilfe gibt, sowohl die aktive als auch die passive Sterbehilfe verboten.