Während die „Squadra Azzurra“ das 2:1 in der Ukraine als Meilenstein auf dem Weg zur EM-Endrunde 2008 feierte, löste die erste Heimniederlage gegen die „Bravehearts“ seit 57 Jahren beim Vize-Weltmeister Katzenjammer aus. „Dieses Ergebnis ist eine Katastrophe. Es wäre fundamental gewesen, gegen Schottland zu gewinnen“, stöhnte Frankreichs Abwehspieler Lilian Thuram. Ohne ihren Stürmerstar Thierry Henry fehlte es der „Equipe Tricolore“ an der nötigen Durchschlagskraft, um das schottische Bollwerk zu knacken. Ein Sonntagsschuss von James McFadden (64.) bescherte den fast ausschließlich verteidigenden Gästen im Pariser Prinzenpark den überraschenden Erfolg, durch den Schottland in der Gruppe B mit 21 Punkten die Tabellenführung vor Italien (20) und Frankreich (19) übernahm.

„Wir brauchen nicht zu rechnen, wir müssen die nächsten drei Spiele gewinnen“, sagte Bayern Münchens Mittelfeldstratege Franck Ribery. Trainer Raymond Domenech nahm den Rückschlag gelassen hin: „Ich kann den Spielern nichts vorwerfen. Uns hat vorne nur das nötige Quäntchen gefehlt. Wir haben die Karten weiter in der Hand.“ Das gilt aber auch für die Schotten. „Dieser Sieg ist unfassbar. Jetzt glauben wir an unsere Chance“, sagte Torschütze McFadden.

Ausgelassene Jubelstimmung herrschte im Land des Weltmeisters nach dem Befreiungsschlag in Kiew. Mit seinen Treffern in der 41. und 77. Minute versetzte di Natale der Ukraine (13) den EM-K.o. und wurde in der Heimat als Retter der Mannschaft und des umstrittenen Trainers Roberto Donadoni gefeiert. „Di Natale-Show. Italien kämpft und bleibt im Rennen“, titelte die „Gazzetta dello Sport“. Und der „Corriere della Sera“ schrieb: „Di Natale reißt Italien mit und rettet Donadoni.“ Auch der Stürmer konnte sein Glück kaum fassen. „Das war eine fantastische Nacht“, jubelte di Natale.

Bei Vize-Europameister Portugal (17) lagen die Nerven nach dem 1:1 gegen Serbien (16) blank. Trainer Luiz Felipe Scolari soll nach der Partie gegen den vom Platz gestellten Ivica Dragutinovic handgreiflich geworden sein. „Ich konnte dem Schlag ausweichen, deshalb hat er mich bloß gestreift“, berichtete Dragutinovic. Der serbische Nationalcoach Javier Clemente forderte Scolari zum Rücktritt auf und bat die UEFA, gegen den Brasilianer vorzugehen. „Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Weltmeister sich so verhält. Er muss seinen Job aufgeben, denn er ist kein gutes Beispiel“, sagte Clemente.

„Ich habe Dragutinovic nicht berührt“, versicherte dagegen Scolari, „es gibt nichts, wofür ich belangt werden könnte.“ Branislav Ivanovic hatte die Gastgeber, die durch Simao (11.) in Führung gegangen waren, zuvor mit seinem späten Ausgleich in der 88. Minute geschockt. Der Vize-Europameister rangiert damit weiter hinter Finnland (19) und Spitzenreiter Polen (21), die sich torlos trennten.

Große Erleichterung herrschte im Mutterland des Fußballs nach dem 3:0 gegen Russland. „So muss England spielen. Wir werden den Sieg feiern, denn es war ein guter Sieg. Aber wir haben noch drei Spiele vor uns, und wir wissen, wir können es noch besser“, sagte Chefcoach Steve McClaren, der sich nach dem zweiten Erfolg innerhalb von vier Tagen erst einmal aus der Schusslinie gebracht hat. „McClaren hat den Jackpot geknackt“, stellte der „Daily Telegraph“ fest.

Als Matchwinner wurde Doppeltorschütze Michael Owen (7./31.) gefeiert. Das Boulevardblatt „The Sun“ erhob den Angreifer von Newcastle United zum „Super-Zar“. Die seriöse „Times“ befand: „Ein tödlicher Owen inspiriert England“. Mit 20 Punkten liegt England in der Gruppe E auf Rang zwei hinter Kroatien (23). Am 6:0-Schützenfest des Tabellenführers in Andorra beteiligten sich auch die Bundesliga- Profis Mladen Petric von Borussia Dortmund und Schalkes Ivan Rakitic.

Nach dem 2:2 von Titelverteidiger Griechenland in Norwegen wurde Eintracht Frankfurts Abwehrspieler Sotirios Kyrgiakos als Held gefeiert. Mit seinen beiden Toren (7./29.) hielt Kyrgiakos den Europameister, der die Gruppe C mit 19 Punkten vor der Türkei (17) und den Skandinaviern (17) anführt, auf EM-Kurs. „Alles klar für die EURO - Danke Kyrgiakos“, titelte die Zeitung „Eleftherotypia“. Trainer Otto Rehhagel mahnte dennoch zur Vorsicht. „Es ist wie ein 400-Meter-Lauf. Wir sind als Erster auf die Zielgerade gegangen, aber wenn wir keinen langen Atem haben, können uns die anderen noch überholen“, sagte Rehhagel.