Backsteingebäuden und beste technische Ausstattung - drei Bewerber ringen um einen Studienplatz. Traumhafte Idylle fernab von den sonstigen Bedingungen der forschenden Außenwelt. Als Mäzen schuf Plattner 1998 seine eigene Uni, an der nun modernste Softwaresystemtechnik gelehrt, entwickelt und in den Markt eingeführt wird. "Wer hier studiert, hat einen Job sicher", weiß Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) stolz zu berichten. Es lag also nahe, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern den ersten nationalen IT-Gipfel mit den Spitzen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an dieser Einrichtung veranstaltete. Ein Signal der Kanzlerin: Die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche hat etwas zu bieten. Und sie wird für den Standort Deutschland immer wichti ger.
Rosige Zeiten? Nicht ganz. Zwar setzt die Branche inzwischen satte 146 Milliarden Euro jährlich um und beschäftigt 800 000 Menschen. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt bereits 6,2 Prozent. Doch die Sparte stöhnt: "Es gibt zu wenige junge Menschen, die sich noch für Technik begeistern", beklagt der Präsident des Fachverbandes "Bitkom", Willi Berchtold, den massiven Nachwuchsmangel. Seit dem "Internetboomjahr" 2000 ist die Zahl der Studienanfänger im Bereich Informatik um mehr als 26 Prozent zurückgegangen; die Abbrecherquote beträgt 50 Prozent und nur zehn Prozent der Studierenden sind Frauen. Der Nachwuchs fehlt den Unternehmen daher jetzt schon an allen Ecken und Enden.
Schon warnen die Experten, der Standort Deutschland könnte wieder mal einen Bereich mit Perspektive ans Ausland verlieren. In den vergangenen Jahren sei kein Bewusstsein dafür geschaffen worden, "dass die IT-Branche eine ganz zukunftsträchtige Branche ist", beklagt Telekom-Chef Rene Obermann gegenüber der RUNDSCHAU. Und: "Wir hätten in den vergangenen Jahrzehnten mehr für die Ansiedlung von führenden Unternehmen tun müssen und das Feld nicht den Amerikanern überlassen dürfen."
Angela Merkel sieht dies ähnlich. Die Kanzlerin hat das komplizierte und breit gefächerte IT-Thema zur Chefsache gemacht. Schließlich bleibt kaum mehr ein Bereich von der modernen Kommunikationstechnik verschont - ob der private, ökonomische oder behördliche. Merkel mahnte gestern: Strategisch richtige Entscheidungen könnten über Jahre Marktführung bedeuten. Die Bundesregierung will nun die IT-Branche in den nächsten drei Jahren mit 1,2 Milliarden Euro fördern. Die Mittel seien Teil der rund 15 Milliarden Euro, die im Rahmen der High-Tech-Strategie der Regierung bis 2009 ausgegeben werden, hieß es gestern. Zugleich will man mehr für die Nachwuchsgewinnung tun, wie man in einer "Potsdamer Initiative" vereinbarte.