Die größten Erfolge bei der Israel-Wahl haben die Politneulinge erzielt: Der Ex-Fernsehjournalist Jair Lapid (Jesch Atid) kam bei der Parlamentswahl in Israel mit 19 Sitzen auf Platz zwei, der ultrarechte Selfmade-Millionär Naftali Bennett landete auf Platz vier. "Beide haben einen unzufriedenen Mittelstand angesprochen, der nicht mehr an die traditionellen Politiker glaubt", sagte Historiker Tom Segev. Netanjahu könnte nach seiner Einschätzung mit beiden zusammenarbeiten und eventuell noch Ex-Außenministerin Zipi Livni mit ihrer Hatnuna-Partei mit ins Boot holen. Die israelische Mittelschicht fordere an Werten orientierte Politiker, eine gerechte Verteilung der Lasten - vor allem der Wehrpflicht - auch auf die streng-religiösen Juden und eine hoffnungsvolle Zukunft, analysierte Dan Avnon von der Hebräischen Universität das Wahlergebnis.

Auch der ultrarechte Bennett habe vor allem junge Wähler angelockt, weil er es als High-Tech-Unternehmer zum Multimillionär gebracht habe und damit ein Vorbild für viele junge Leute sei.

Lapid habe mit der Frage gepunktet: "Wo ist das Geld? Wo sind die Steuergelder, wohin geht das Geld?". Nach Segevs Worten kommen viele von Lapids Wählern aus der Bewegung der Sozialproteste, die im Sommer 2011 Hunderttausende aus Ärger über horrende Mieten und zu hohe Lebenshaltungskosten auf die Straße brachte. Das sei kein Linksruck, denn die Wähler seien ja nicht in Massen zur Arbeitspartei, zur Ex-Außenministerin Zipi Livni oder gar zur links-liberalen Merez-Partei gewechselt.

Die Arbeit des Parlaments könnte jedoch schwierig werden: Mehr als 50 der 120 Abgeordneten sitzen erstmals in der Knesset. Netanjahu kündigte noch am Wahlabend an, er wolle sich um eine möglichst breite Koalition bemühen. Nur Stunden nach Schließung der Wahllokale streckte er erste Fühler Richtung Jesch Atid aus. "Wir haben die Gelegenheit, sehr große Dinge im Interesse des Staates Israel zu tun", habe er Lapid gesagt. Aber Netanjahu ließ auch keinen Zweifel daran, wer Herr im Haus einer solchen Koalition sein sollte. "Die Prognosen zeigen ganz eindeutig, dass die israelischen Bürger wollen, dass ich weiter Regierungschef bleibe und dass ich eine möglichst breite Koalition bilde."