Die israelische Opposition ist über einen Bruch des offiziellen Schweigegebotes empört.

Etwa 200 Atomsprengköpfe

Zwar schätzen internationale Experten, Israel könne bis zu 200 Atomsprengköpfe hergestellt haben, aber offiziell wurde das in Israel bisher weder bestätigt noch dementiert. Diese offizielle Politik "strategischer Zweideutigkeit" soll Feinde im Unklaren lassen. Außerdem soll ein Wettrüsten in der Region verhindert werden, bei dem der jüdische Staat seinen Vorteil nur einbüßen könnte. Zudem wären Handelsbeschränkungen für Rüstungsgüter wahrscheinlich. Dabei ist es kein Geheimnis mehr, dass Jerusalem Atomwaffen hat.

Neu ist aber, dass westliche Politiker es mit dem Streben der Mullahs in Teheran nach Atomwaffen oder den schwierigen Bemühungen um eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten immer direkter in Verbindung bringen. Inmitten des diplomatischen Ringens um das Atomprogramm des verfeindeten Irans könnten die Äußerungen israelischen Interessen schaden.

Libyen, Irak, Iran und Israel

Den Auftakt machte im März der damalige britische Außenminister Jack Straw, der im Nahen Osten vier Staaten mit atomarem Drohpotenzial ausmachte. Libyen und der Irak hätten diesen Weg aufgegeben, der Iran müsse diesen Schritt noch machen. "Sobald das erreicht ist, können wir uns in dieser Sache um Israel kümmern", sagte Straw. Israels Regierung schwieg damals.

Deutlicher wurde der designierte US-Verteidigungsminister Robert Gates in der vergangenen Woche, als er Israel erstmals öffentlich zu den Atomwaffenstaaten zählte. Er sagte vor dem Streitkräfteausschuss des Senats zu möglichen Gründen des Irans für ein Streben nach Atombomben: "Sie sind von Mächten mit Atomwaffen umgeben: Pakistan im Osten, die Russen im Norden, die Israelis im Westen und uns im Persischen Golf."

Israelische Politiker betonen die Rolle des Irans als Aggressor. In den vergangenen Wochen wurden wieder schärfere Töne gegen die iranische Führung angeschlagen. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad plane einen "Holocaust für den jüdischen Staat", sagte Ex-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Rede in den USA.

Dass nun der Druck auf Israel wachsen könnte, internationalen Inspektionen seiner Atomanlagen zuzustimmen, erwarten israelische Experten nicht. Der Atomfachmann Jitzhak Ben Israel von der Uni Tel Aviv sagte, Olmerts Äußerungen hätten die Politik der strategischen Zweideutigkeit nicht beschädigt. "Es hat weder geschadet noch genutzt", meinte er.