Damit hat Netanjahu jetzt formell eine Regierungsmehrheit von 66 der 120 Sitze in der Knesset. Der Vorsitzende des Likud verhandelt jetzt noch mit der streng religiösen Partei Vereinigtes Tora-Judentum. Er hat bereits Vereinbarungen mit der ul trarechten Israel Beitenu und der strengreligiösen Schas unterzeichnet. Nach dem Beitritt der Arbeitspartei nimmt die künftige israelische Regierung weiter Gestalt an. Der Vorsitzende der Arbeitspartei und bisherige Verteidigungsminister Ehud Barak wird sein Amt behalten. Neuer Außenminister wird mit großer Wahrscheinlichkeit der umstrittene Avigdor Lieberman von der araberfeindlichen Partei Israel Beitenu. Heftiger SchlagabtauschAuf dem Sonderparteitag der Arbeitspartei lieferten sich Gegner und Befürworter einer Regierungsbeteiligung den erwartet heftigen Schlagabtausch. Es sei keine Schande, in der Opposition zu sitzen, sagte die einflussreiche Abgeordnete Shelly Yacimovich. Die Arbeitspartei sei in einer rechtsorientierten Regierung überflüssig. Andere Redner warnten Barak vor einem Ausverkauf und dem Verlust aller Werte der Partei. Ein Delegierter bescheinigte der Partei einen Identitätskonflikt. Barak vertrat hingegen die Ansicht, dass eine Mehrheit der Wähler die Partei in der Regierungsverantwortung sehen wolle. "Ich habe keine Angst vor Benjamin Netanjahu. Wir werden für niemanden ein Feigenblatt sein", sagte er. Barak begründete sein Vorgehen damit, dass er eine rein rechtsorientierte Regierung verhindern und stattdessen eine Regierung ermöglichen wolle, die sich um Israel kümmere. Alleingang BaraksBarak hatte zuvor in einem Alleingang und an allen Parteigremien vorbei die Vereinbarung mit dem Likud unterschrieben. Israelische Medien berichteten, Netanjahu habe sich im Rahmen der Vereinbarung verpflichtet, alle von Israel unterzeichneten Friedensverträge anzuerkennen. Israel werde sich für eine umfassende Friedenslösung in der Region einsetzen. Die Regierung werde zudem gegen illegale Siedlungs-Außenposten im Westjordanland sowie ohne Genehmigung gebaute Palästinenserhäuser vorgehen. In der Vereinbarung gibt es jedoch keine ausdrückliche Verpflichtung für die Einrichtung eines unabhängigen Palästinenserstaates, die Netanjahu bislang ablehnte. dpa/das