Nach Waffenruhe und israelischem Abzug sieht die UN-Resolution vor, dass ausländische Einheiten unter UN-Befehl und libanesische Truppen die Kontrolle über Südlibanon übernehmen.Ein Termin für die Stationierung stand zunächst aber noch nicht fest. Im Konflikt zwischen israelischer Armee und schiitischer Hisbollah-Miliz im Libanon waren in den vergangenen Wochen mehr als tausend Menschen getötet worden.

Indessen hat der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Mark Regev, die Beteiligung deutscher Soldaten an einer Friedenstruppe im Südlibanon befürwortet. Im ZDF-Morgenmagazin erklärte Regev: "Wenn Deutschland dort teilnehmen möchte, ist das natürlich eine eindeutige deutsche Entscheidung. Da möchte ich mich nicht einmischen in die inneren Angelegenheiten. Israel unterstützt die Beteiligung Europas, und wir wären sehr erfreut, wenn sich Deutschland entschließen könnte, an dieser Truppe mit teilzunehmen. Wir würden die deutschen Truppen bei uns begrüßen."

Auch die Bundesregierung ist offen für einen Einsatz der Bundeswehr zur Befriedung des Libanon-Konflikts. Nach Verteidigungsminister Franz Josef Jung erklärte auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), Deutschland könne bei einem europäischen Einsatz nicht außen vor bleiben. "Wir sagen: Wir wollen uns nicht verweigern. Wir können uns nicht verweigern", erläuterte Schäuble im ZDF-"Morgenmagazin.

Unklar ist aber noch die Art und Weise der deutschen Beteiligung. "Wir haben darüber gesprochen, ob wir bei der Grenzsicherung helfen können", sagte Schäuble. Ein Einsatz deutscher Soldaten sei aber noch keineswegs sicher. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Wochenende erklärt, Israel sehe "offenbar in einer deutschen Beteiligung kein Problem". Das müsse bei einer Entscheidung im Kabinett und im Bundestag berücksichtigt werden.

Bei Union und SPD gibt es aber auch starke Vorbehalte. CSU-Chef Edmund Stoiber hatte einen Einsatz mit dem Hinweis auf die deutsche Geschichte strikt abgelehnt. Für die SPD erklärte Fraktionsvize Ludwig Stiegler in der "Neuen Presse": "Ein gutes Drittel der Fraktion wird sich mit deutscher militärischer Beteiligung sehr, sehr schwer tun." Die Opposition lehnt einen Einsatz strikt ab.

Nach der UN-Resolution zur Beendigung der Feindseligkeiten sollen 15 000 reguläre libanesische Soldaten in den Süden des Landes verlegt werden. Die 2000 bereits im Südlibanon stationierten UN-Soldaten sollen um weitere 13 000 Blauhelme verstärkt werden. Gleichzeitig soll sich Israel aus dem Libanon zurückziehen. In Deutschland ist der Streit um eine Beteiligung von Bundeswehrsoldaten an der UN-Schutztruppe wieder ausgebrochen.

Israel befürchtet, dass bei einem überstürzten oder einseitigen Rückzug seiner Truppen aus dem Südlibanon ein "Vakuum" entstehen könnte, das von der Hisbollah ausgenutzt werden könnte. "Wir werden nicht von uns aus den Rückzug beginnen, wir werden darauf warten, dass die internationalen Kräfte einrücken", sagte Regev. Der weitere Verlauf der Dinge liege nun nicht mehr an Israel, sondern an den internationalen Kräften. "Israel möchte Libanon nicht okkupieren", sagte Regev, könne sich aber auch "nicht einseitig zurückziehen". Israel werde die Waffenruhe "strikt einhalten".