Über den Hintergrund der Aktion, bei der Fallschirmjäger ein Krankenhaus stürmten, gab es zahlreiche Spekulationen. In libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die Israelis hätten in dem Krankenhaus die zwei israelischen Soldaten vermutet, die am 12. Juli von Hisbollah-Milizionären in den Libanon verschleppt worden waren. Die Entführung hatte die kriegerischen Auseinandersetzungen im Libanon ausgelöst.

In israelischen Medienberichten hieß es dagegen, die Soldaten hätten versucht, Scheich Mohammed Jasbek, ein Mitglied des höchsten Führungszirkels der Hisbollah, aus dem Krankenhaus zu entführen. Dies wurde jedoch von der Hisbollah dementiert. Es habe sich kein Führungsmitglied der Gruppe dort aufgehalten, erklärte die Organisation.

Die Aktion begann, als zwei Hubschrauber die Fallschirmjäger auf dem Dach des Krankenhauses absetzten. Nach Berichten von Bewohnern aus der Umgebung sollen in dem zivilen Krankenhaus auch Hisbollah-Milizionäre behandelt worden seien. Die Israelis seien in die Krankenzimmer gestürmt, während Hisbollah-Kämpfer von außerhalb des Spitals Gegenwehr leisteten, berichteten Augenzeugen.

Das Kommando zog sich nach israelischen Angaben ohne Verluste zurück und verließ mit den Hubschraubern den Ort. Mindestens vier weitere Helikopter, die neben dem Krankenhaus gelandet waren, hätten das Kommando gesichert. Eine dpa-Reporterin sah am nächsten Morgen in dem Krankenhaus die Spuren der Kämpfe, darunter Einschüsse, Projektilhülsen und Blutspuren.

Die radikal-islamische Miliz indessen beschoss nach zwei Tagen relativer Ruhe heute wieder den Norden Israels mit Katjuscha-Raketen. Eine große Anzahl dieser Geschosse sei über mehrere israelische Städte, darunter Tiberias, Acre und Safed, niedergegangen, berichteten israelische Medien. Die Bewohner seien in die Schutzräume geflüchtet. In den vergangenen Tagen hatte die Hisbollah vom Libanon aus nur einige wenige Raketen abgeschossen.

Internationale Pressestimmen zum Nahost-Konflikt

Zur Situation im Nahen Osten schreibt heute die linksliberale Zeitung "The Guardian" (London):

"Noch spielt sich der Krieg im Nahen Osten nur innerhalb der Grenzen des Libanon ab, aber es gibt bedrohliche Anzeichen am Horizont. Die syrische Armee ist in höchster Alarmbereitschaft, verhält sich aber bislang defensiv. Der syrische Präsident Assad will aus seiner Beziehung mit Hisbollah-Anführer Nasrallah politisches Kapital schlagen. Sollte die Hisbollah den Israelis im Libanon Stand halten können, wird das in der arabischen Welt als Sieg gelten, und daran will auch Syrien teilhaben. (...)

Unvorhersehbare Folgen hat die Verwandlung der Hisbollah, zumindest in den Augen der Araber, von einer lokalen Schiiten-Bewegung zu einer Organisation, die für viele Widerstand und Hoffnung symbolisiert. Die USA unterscheiden kaum zwischen El Kaida und Hisbollah, aber das ist schlichtweg falsch. Die Anziehungskraft von El Kaida war für die arabischen Massen nie besonders groß. Die Hisbollah dagegen hat viele Anhänger, und nicht nur im Libanon. Das muss sich die westliche Welt vor Augen halten, sie darf sich nicht nur auf den Guerilla-Krieg der Hisbollah mit Israel konzentrieren."

Für einen Frieden im Nahen Osten ist nach einer sofortigen Feuerpause eine politische Einigung mit zwei Bedingungen notwendig, schreibt jetzt die flämische Zeitung "De Standaard" aus Brüssel:

"Der libanesische Staat muss seine Herrschaft auf dem gesamten Territorium wieder herstellen. Es wird keinen dauerhaften inneren und äußeren Frieden geben, so lange die Hisbollah dort ein Staat im Staate bleibt. Die große Frage ist, ob die Hisbollah, die bereits in der Regierung sitzt, sich zu einer politischen Bewegung umwandeln und und den nationalen Belangen des Libanon dienen will statt der Handlanger von Syrien und Iran zu bleiben. Zweitens muss es zu einem dauerhaften Frieden zwischen Libanon und Israel kommen. Das geht nur, wenn Israel nicht länger vom Libanon aus angegriffen wird."

Die unabhängige französische Zeitung "Le Monde" sieht Israel in einem indirekten Konflikt mit dem Iran. Das Blatt schreibt heute:

"Aus israelischer Perspektive gleicht der Krieg gegen die Hisbollah im Libanon den Vorläufern eines indirekten, aber grundsätzlichen Konflikts mit dem Iran. ... Hinter dem erklärten Krieg gegen die Hisbollah steht ein größeres strategisches Ziel: Mit der Bekämpfung einer Gruppe, die Israel als den bewaffneten Arm des Iran im Nahen Osten begreift, will Jerusalem die Islamische Republik daran hindern, Teil des israelisch-arabischen Konflikts zu werden. ... Eine Niederlage der Hisbollah (Partei Gottes) ist eine Niederlage für deren iranische Schöpfer und Beschützer. Die Israelis wissen genau, dass die Partei Gottes eine solide in der libanesischen Realität verankerte Formation ist. Sie wissen, dass sich eine Mehrheit der Schiiten des Libanon in ihr wieder erkennt. Sie wird durch den Sturmangriff nicht verschwinden."