November 56 Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet wurden. Bereits wenige Stunden nach dem Ende der Offensive töteten israelische Soldaten in nahe gelegenen Ortschaften mindestens sechs weitere Palästinenser.
Die Einheiten hätten ihren "Auftrag erledigt", sagte ein israelischer Militärsprecher. Die Armee habe Dutzende Palästinenser bei Feuergefechten und Luftangriffen getötet. Neun "Kommandos" seien angegriffen worden, als sie versucht hätten, Raketen auf Israel zu feuern. Dutzende Verdächtige seien festgenommen worden. Die Armee habe während der Offensive große Mengen Waffen beschlagnahmt, darunter Raketenwerfer, Panzerabwehrraketen und Granaten.
In der 30 000-Einwohner-Stadt Beit Hanun hinterließ der Militäreinsatz eine Spur der Verwüstung: In der Altstadt waren die Asphaltdecken nach der Durchfahrt von Panzern aufgebrochen. Die Kanalisation war zerstört; Abwässer breiteten sich auf den Straßen aus. Ausgebrannte Autowracks standen herum. Von einer Moschee stand nur noch das Minarett. Jedes Haus im Kampfgebiet trug Spuren der bewaffneten Zusammenstöße. Die Anwohner irrten zwischen den Trümmern herum, um einige Habseligkeiten zu retten.
Israel hatte die Offensive damit begründet, gegen Palästinenser vorgehen zu wollen, die für Raketenangriffe auf Israel verantwortlich seien. Gestern landeten erneut zwei palästinensische Kassam-Raketen in der südisraelischen Stadt Sderot. Verletzt wurde niemand.
Nach Angaben von Ärzten waren unter den sechs getöteten israelische Soldaten in der Nähe von Beit Hanun zwei Aktivisten der radikalislamischen Organisation Islamischer Dschihad, die in Sudanija von einer Panzergranate getroffen wurden. Im Flüchtlingslager Dschabalija töteten israelische Soldaten einen Aktivisten des bewaffneten Arms der radikalen Hamas-Bewegung durch eine Panzergranate. Eine Verwandte und der Leibwächter einer Hamas-Abgeordneten kamen in Dschabalija ums Leben, als Soldaten auf das Haus der Politikerin feuerten. Die israelische Armee erklärte, einer ihrer Panzer sei zuvor mit Granaten beschossen worden.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Militäraktionen scharf. "Wenn Israel Frieden und Sicherheit erreichen will, dann ist der Weg über das Blut der Palästinenser der falsche." Erst habe Israel den Rückzug aus Beit Hanun verkündet; nun gehe der Einsatz doch weiter. "Das zeigt, dass Israel entschlossen ist, seine Aggression nicht nur in Beit Hanun fortzusetzen, sondern im gesamten Gazastreifen."
Der palästinensische Außenminister Mahmud Sahar forderte UN-Generalsekretär Kofi Annan zum Eingreifen auf. Annan solle "internationale Mechanismen in Gang setzen", die die israelischen Streitkräfte zum Rückzug aus den Palästinensergebieten "und zum Ende der Verletzung des Völkerrechts" verpflichten. (AFP/kr)