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Israel und Polen gedenken des Holocaust

Teilnehmer des Marsches des Lebenden in Auschwitz
Teilnehmer des Marsches des Lebenden in Auschwitz FOTO: dpa
Tel Aviv/Jerusalem. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Menschen in Israel am Donnerstag der Opfer des Holocaust gedacht. Im ganzen Land heulten um 9 Uhr (MESZ/10 Uhr Ortszeit) zwei Minuten lang die Sirenen. dpa/uf

Die Menschen unterbrachen ihre Arbeit, viele Busse und Autos stoppten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin legten Kränze in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nieder, die Knesset erinnerte in einer Zeremonie an die Ermordeten. Netanjahu hatte zuvor den Iran anlässlich des Holocaust-Gedenktags scharf kritisiert und Teheran vorgeworfen, den jüdischen Staat auslöschen zu wollen.

In Israel leben nach Angaben einer Stiftung noch 189 000 Überlebende des nationalsozialistischen Massenmordes. Fast 40 Prozent von ihnen seien auf finanzielle Unterstützung angewiesen, berichtete der israelische Rundfunk. Etwa ein Viertel von ihnen kann sich nach eigenen Angaben demnach keine Medikamente leisten.

Viele Überlebende machen sich angesichts von Anschlägen auch Sorgen um ihre Sicherheit. "Im hohen Alter erneut mit dem tödlichen Hass des Antisemitismus konfrontiert zu werden, erschüttert die Überlebenden zutiefst", sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. Er forderte, die Vergangenheit nicht ruhen zu lassen, sondern weiter aufzuarbeiten. Für die junge Generation könnten neue, womöglich letzte NS-Prozesse eine gute Geschichtsstunde sein.

Am Gedenktag für die Opfer des Holocausts marschieren Juden aus aller Welt von Auschwitz in das etwa drei Kilometer entfernte Birkenau. Der Marsch der Lebenden begann am berüchtigten Lagertor mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei". Als die Teilnehmer des Marsches die Rampe von Birkenau entlang zogen, an der die SS Hunderttausende aus den ankommenden Deportationszügen aus ganz Europa in die Gaskammern schickte, klangen aus Lautsprechern unaufhörlich die Namen von in Auschwitz ermordeten jüdischen Kindern.

Auschwitz-Birkenau war das größte der deutschen Todeslager. Unter den mindestens 1,1 Millionen Opfern waren etwa eine Million jüdischer Häftlinge, die oft gleich nach der Ankunft der Deportationszüge aus ganz Europa in den Gaskammern von Birkenau ermordet wurden.

Bereits am Mittwochabend hatte es eine Zeremonie in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gegeben.

Zum Thema:
In der Bundesrepublik und auch in der DDR ist die Verfolgung von NS-Verbrechen nach Einschätzung des Nazijägers Kurt Schrimm lückenhaft gewesen. Längst nicht alle Täter seien bestraft worden, sagte der Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg anlässlich des in Lüneburg anstehenden Prozesses gegen Oskar Gröning. Dem früheren Freiwilligen der Waffen-SS in Auschwitz wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vorgeworfen. Man müsse aber berücksichtigen, dass in den Nachkriegsjahren in Osteuropa eine große Zahl von Tätern vor Gericht gestellt worden sei, sagte Schrimm. Zur Aufarbeitung der NS-Zeit durch die Justiz hierzulande sagte er: "Es ist unbestritten, dass in der Bundesrepublik und auch in der DDR objektiv nicht alles getan wurde, um die Nazi-Zeit juristisch aufzuarbeiten." Auch seien anfangs Fehler in der systematischen Erfassung gemacht worden.