Tal Kehrmann war erst 17, als sie vor acht Jahren bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag starb. Der Attentäter sprengte sich in dem Bus in die Luft, in dem sie saß – 16 weitere Menschen kamen bei dem Anschlag in der israelischen Hafenstadt Haifa ums Leben. Tals deutschstämmiger Vater ist vehement gegen den Gefangenenaustausch mit der radikalislamischen Hamas, bei dem am morgigen Dienstag der israelische Soldat Gilad Schalit freikommen soll.

Für ihn ist es unfassbar, dass auch die Drahtzieher der blutigen Tat freigelassen werden sollen. „Das Gefühl ist sehr schlimm, fast wie am Tag des Anschlags“, sagte Ron Kehrmann am Sonntag. Es sei, als habe man ihm „ein Messer ins Herz gerammt“.

„Mit welcher Leichtigkeit sie Hunderte Mörder entlassen, für nichts und wieder nichts“, klagte Kehrmann, der auch die deutsche Staatsangehörigkeit hat. „Es ja ist nicht so, als würden wir ein Friedensabkommen unterzeichnen.“ Kehrmanns Vater war aus Mannheim nach Israel eingewandert und auch Tal hatte einen deutschen Pass.

Mosche Goldstein, der seine damals 21-jährige Tochter Sari 2002 bei einem ähnlichen Busanschlag verlor, stimmt Kehrmann bei. „Wir dürfen keinen so hohen Preis zahlen – tausend Terroristen gegen einen Soldaten!“, sagte er. „Für einen Soldaten kann man einen Terroristen freilassen, aber nicht mehr.“ Wer seinen Sohn zur Armee schicke, müsse schließlich damit rechnen, „dass er in Gefangenschaft gerät oder getötet wird“.

Schalits Eltern sollen ihn fast fünfeinhalb Jahre nach seiner Entführung in den Gazastreifen wieder in die Arme schließen können. Bei aller persönlichen Trauer freut Sari Goldsteins Mutter sich darüber, anders als ihr Mann. „Was ich nicht habe durfte, soll zumindest eine andere Mutter bekommen“, sagte sie. „Wir können Gilad nicht einfach im Stich lassen.“

Israel zahlt für Schalits Freiheit in der Tat einen hohen Preis: 1027 Palästinenser sollen insgesamt freikommen, darunter zahlreiche Attentäter und Drahtzieher blutiger Anschläge auf Israelis. Damit lässt der jüdische Staat etwa ein Fünftel aller Palästinenser frei, die im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt verurteilt wurden.

Doch dieser dramatische Schritt ist in Israel höchst umstritten, es tobt eine heftige Debatte über die Rechtmäßigkeit des Handels mit Terroristen. Das stärkste Argument der Gegner ist die Sorge, dass die Freizulassenden neue Anschläge planen oder verüben könnten. Die Organisation Almagor, die israelische Terroropfer vertritt, hat vor dem Höchsten Gericht in Jerusalem gegen den umstrittenen Gefangenenaustausch geklagt. Das Gericht will sich am heutigen Montag mit der Klage befassen, der jedoch nur wenig Chancen eingeräumt werden.