Mit ihren Bombardements der Brücken nördlich von Beirut legte die israelische Luftwaffe die letzte verbliebene Verbindung vom Libanon nach Syrien lahm. Die Straße in östlicher Richtung nach Damaskus war zuvor wegen der Angriffe bereits unterbrochen. Zwei der Brücken - eine am Hafen Fidar - wurden vollständig zerstört. Auf der Brücke in der Nähe des Hafens Dschunije war die Fahrbahn in einer Richtung nicht mehr nutzbar. Auch die so genannte "Casino von Libanon"-Brücke wurde beschädigt.

"Nabelschnur" des Landes zerschnitten
Die Straße zum Norden sei die "wichtigste Versorgungsroute" für Hilfsleistungen gewesen, kritisierte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR in Genf. Die Angriffe kämen einem Zerschneiden der "Nabelschnur" des Landes gleich. Auch ein Sprecher des UN-Welternährungsprogramms beklagte, wegen der "bedeutenden Schäden" an der Straße werde es nicht mehr möglich sein, von Syrien aus Hilfsmittel nach Beirut zu transportieren. Die EU-Kommission bedauerte, dass eine "sichere Route" für Hilfskonvois getroffen worden sei.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte den uneingeschränkten Zugang für humanitäre Helfer im Libanon. Im Süden des Landes sei es für Zivilisten fast unmöglich, die stark umkämpften Gebiete zu verlassen und Hilfe in Krankenhäusern zu suchen, sagte der Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, Stefan Krieger, in Berlin. Die Ärzteteams kämen nicht in die am stärksten betroffenen Regionen durch. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef rief zu Spenden auf.

Vororte Beiruts unter Beschuss
Trotz der Drohung der Hisbollah-Miliz, im Gegenzug Tel Aviv mit Raketen zu beschießen, setzte die israelische Luftwaffe ihre Luftangriffe auf Beirut fort. Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht zu gestern mehrere südliche Vororte, die als Hochburg der schiitischen Milizen gelten. Drei Schulen, darunter eine für Blinde und Taubstumme, wurden stark beschädigt, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Bildungsstätten wurden von Verbänden betrieben, die der radikalislamischen Hisbollah nahestehen. Auch in den südlichen Regionen um Tyrus und Nabatijeh flog die israelische Luftwaffe in der Nacht Dutzende Angriffe. Ein Einwohner des Dorfs Mghar im Norden Israel kam beim Einschlag von Hisbollah-Raketen ums Leben.
Sie hoffe, dass die Entschließung des UN-Sicherheitsrates in einigen Tagen fertig sein werde, sagte die US-Außenministerin am Donnerstag im Fernsehsender CNN. Rice wies Vorwürfe zurück, die USA hätten durch ihre Haltung ein Ende der Kämpfe in Nahost verhindert. Washington habe sich einem Waffenstillstand nie widersetzt, wolle aber keinen, "der im Moment des Inkrafttretens schon wieder gebrochen wird". (AFP/dpa/ta)