Abermals warf die OIC indes Israel "Aggression gegen den Libanon" vor. An den Beratungen nahmen Vertreter von 18 Mitgliedstaaten der Konferenz teil, darunter auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad.Die Konferenz verlange vom UN-Sicherheitsrat, "ohne Verzögerung seiner Verantwortung für die Beibehaltung des internationalen Friedens nachzukommen, indem er sich für eine umgehende und sofortige Waffenruhe ausspricht und diese durchsetzt", hieß es in einer Erklärung zum Abschluss des eintägigen Treffens. Die Vereinten Nationen müssten außerdem eine Untersuchung über "kriminelle Akte" von Seiten Israels in der jüngsten Nahost-Krise einleiten.

Der malaysische Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi, dessen Land derzeit den OIC-Vorsitz innehat, rief zugleich die islamische Welt zu konkreten Lösungsvorschlägen für den Konflikt auf. "Wir können nicht weiterhin bloß in Erklärungen die Gewalt verurteilen", sagte er. Die muslimischen Länder sollten stattdessen einen "praktischen Aktionsplan entwerfen, um den Frieden zurückzugewinnen".

Der pakistanische Ministerpräsident Schaukat Asis warf den Vereinten Nationen vor, in eine "Lähmung" verfallen zu sein, die dem radikalen Islam Auftrieb geben könnte. "Das Versagen der internationalen Gemeinschaft und vor allem der UN und der Großmächte, dieses Verbrechen zu beenden, trägt zur Verärgerung in der Region und in der ganzen Welt bei", sagte er während des Treffens.

900 Tote und 3000 Verletzte im Libanon nach israelischer Offensive

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Südlibanon am 12. Juli sind nach libanesischen Angaben 900 Menschen getötet worden. Darüber hinaus gebe es 3000 Verletzte, sagten offizielle Vertreter des Libanon jetzt beim Treffen der Mitgliedstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in Malaysia. Rund ein Drittel der Opfer seien Kinder unter zwölf Jahren, sagte ein Vertreter des libanesischen Außenministeriums am Konferenzort in der Stadt Putrajaya.

Der OIC-Vorsitzende und malaysische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi erklärte, die Militäroffensive Israels habe so viel Empörung ausgelöst, dass eine "neue Welle" des Terrorismus drohe. Die Moslems seien selbst in den moderaten Ländern in Aufruhr.

Ölteppich erreicht syrische Küste

Indessen hat der Ölteppich, der sich seit dem israelischen Beschuss eines libanesischen Kraftwerks vor drei Wochen immer weiter ausbreitet, nun auch die syrische Küste erreicht. Es seien mehr als 80 Kilometer libanesischer und etwa 10 Kilometer syrische Küste verschmutzt, berichtete das UN-Umweltprogramm (UNEP) unter Hinweis auf Satellitenbilder gestern Abend in Nairobi. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF hat das Öl auch das Naturschutzgebiet Palm Islands vor der libanesischen Küste verschmutzt, ein Brutgebiet für bedrohte Meeresschildkröten.

UNEP-Direktor Achim Steiner forderte zum sofortigen Handeln auf, um die akuten Umweltschäden und die langfristigen Folgen für das libanesische Volk und die Wirtschaft einzudämmen. Paul Mifsud, vom "Mediterranean Action Plan" des UNEP sagte: "Zusätzlich zur humanitären Katastrophe gibt es nun auch noch eine Umweltkatastrophe, die die Mittelmeerregion bedroht." Es müsse dringend einen Waffenstillstand und einen sicheren Zugang zu der betroffenen Region geben.

Die syrische Regierung bat unterdessen um die Entsendung von UNEP-Experten, um den Ölteppich zu entfernen und die Umweltschäden zu begutachten. Das Ozeanographische Institut auf Zypern untersucht derzeit, wie sich der Ölteppich weiter ausbreiten wird.

Nach WWF-Angaben zeigen Satellitenaufnahmen, dass das Öl das Schutzgebiet Palm Islands fünf Kilometer vor der Nordküste des Libanons erreicht hat. Dies sei ein wichtiger Nistplatz für die vom Aussterben bedrohten Grünen Meereschildkröten und die gefährdeten Unechten Karettschildkröten. Weiterhin betroffen seien der durch Überfischung ohnehin schon stark dezimierte Rote Tunfisch, Fischlaichplätze und Rastgebiete für Zugvögel.

Der inzwischen über 100 Kilometer lange Ölteppich hatte sich nach israelischen Luftangriffen auf die Öltanks eines küstennahen libanesischen Kraftwerks Mitte Juli gebildet. Mindestens 15 000 Tonnen Öl waren bereits bis Ende Juli ins Meer gelangt.

WWF-Meeresexperte Stephan Lutter verglich den Ölteppich mit denen großer Tankerunglücke im Mittelmeer: 1981 liefen aus der "Cavo Cambanos" 18 000 Tonnen Öl ins Meer. 1991 geriet der Tanker "Haven" mit 143 000 Tonnen Rohöl an Bord in Brand und sank - mehr als 10 000 Tonnen seien ins Meer geflossen und hätten Frankreichs und Italiens Küsten verschmutzt.