Tagelang hing der Kommandeur der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf in Paris fest, weil die deutsche Flugsicherung den Luftraum nicht für seine Weiterreise freigab. Schließlich fand er doch noch einen Weg nach Deutschland: Er trat seine Reise mit dem Kleinbus nach Berlin an, so wie es Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor wenigen Tagen von Istanbul aus vorgemacht hatte. Am Mittwoch trafen die beiden mit 48 Stunden Verspätung im Berliner Bendler-Block zusammen. Am Ehrenmal auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums legten sie Kränze für die sieben Bundeswehrsoldaten nieder, die in den vergangenen Wochen im Kampf mit den radikalislamischen Taliban getötet wurden.Sowohl bei dem tödlichen Gefecht von Kundus am Karfreitag als auch bei den Kämpfen in der Provinz Baghlan in der vergangenen Woche waren US-Soldaten im Einsatz. 14 Sanitäter bargen mit ihren drei Hubschraubern unter Einsatz ihres Lebens die deutschen Toten und Verletzten. Guttenberg hatte sich bei seinem Besuch in Kundus in der vergangenen Woche persönlich bei ihnen bedankt. Jetzt bekamen sie noch eine ganz besondere Auszeichnung verliehen: das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold mit rotem Rand für eine besonders herausragende Leistung. McChrystal bedankte sich mit einem Lob für die Leistung der deutschen Soldaten. Sie absolvierten im Norden Afghanistans ihre Arbeit mit "großem Erfolg", sagte er. "Deutschland bleibt ein sehr wichtiger Partner in unserer Arbeit in Afghanistan."Damit trat er indirekt auch Befürchtungen entgegen, die Amerikaner wollten Deutschland das Isaf-Kommando in Nordafghanistan abnehmen. Statt einer Übernahme des Kommandos verspricht sich der Bundesverteidigungsminister von den USA die Schließung von "Fähigkeitslücken". Damit meint er vor allem Hubschrauber, die der Bundeswehr bisher fehlen. Zwischen 45 und 70 Helikopter sollen die Amerikaner mitbringen. Die Hauptaufgabe der Amerikaner im Norden wird zumindest offiziell die Ausbildung afghanischer Polizisten sein. Die sollen möglichst bald dafür sorgen, dass Gebiete, aus denen die Taliban verdrängt werden, auch gehalten werden. Die Bundeswehr wird im Spätsommer ihre Strategie in Afghanistan ebenfalls umstellen und das US-Konzept des "Partnerings" übernehmen, das bedeutet eine Verzahnung mit der afghanischen Armee bei der Ausbildung in der Fläche. Bisher begleitet die Bundeswehr Operationen nur mit Beraterteams, die sich hinter den afghanischen Verbänden bewegen. Künftig werden Deutsche und Afghanen gemeinsam an vorderster Front kämpfen. Die Skepsis in der Truppe ist groß. Es gibt Klagen über die Disziplin der Afghanen, über Kommandeure, die weder lesen noch schreiben können, über Plünderungen von Dörfern und Drogenkonsum.