Wie die Nachrichtenagentur Irna gestern meldete, dankte der geistliche Führer der Islamischen Republik Iran, Ayatollah Ali Chamenei, Chatami dafür und rief Reformer und Konservative dazu auf, ihren Zwist zu Gunsten von "regen und begeisterten" Wahlen zu beenden. Beobachter rechneten allerdings wegen des Ausschlusses tausender reformorientierter Kandidaten mit einer niedrigen Wahlbeteiligung.
"Unser Land benötigt heute mehr denn je Einheit und Übereinstimmung unter seinen geschätzten Führern" hieß es in einem Schreiben Ayatollah Chameneis an Chatami und den reformorientierten Parlamentspräsidenten Mehdi Karubi. Die Wahlen seien von "lebenswichtiger Bedeutung" für die Interessen des Landes und der Nation. Deshalb müsse der Streit beigelegt und "Hand in Hand" dafür gesorgt werden, dass der Urnengang in einem "gesunden Klima" stattfinde.
Das von dem Reformer Abdolwahed Mussawi-Lari geführte Innenministerium kündigte einen reibungslosen Verlauf der Wahlen im Sinne des geistlichen Führers Chamenei an. Dieser reagierte mit seinem Schreiben auf einen an ihn gerichteten Brief von Chatami und Karubi. Darin kritisierten die beiden Politiker, dass der ultrakonservative Wächterrat entgegen Chameneis Empfehlung die Kandidatenliste nicht noch einmal gründlich überprüfte. Der Ausschluss von Kandidaten schränke den Wettbewerb ein und mindere das Interesse der Wählerschaft an dem Urnengang, schrieben sie. Dessen ungeachtet sicherten Chatami und Karubi zu, für die Organisation der Wahl "zum vorgesehenen Zeitpunkt" Sorge zu tragen.
Präsident Chatami hatte noch vor kurzem erklärt, seine Regierung werde nur "freie und offene Wahlen mit Wettbewerb organisieren". Ayatollah Chamenei hatte eine Verschiebung der Wahl jedoch kategorisch abgelehnt.
Aus einer von der studentischen Nachrichtenagentur Isna am Wochenende verbreiteten Liste der zugelassenen Kandidaten geht hervor, dass der Wächterrat keinen einzigen Bewerber zuließ, für den sich reformorientierte Politiker ausdrücklich eingesetzt hatten. Der Rat ließ lediglich 206 von 2500 zunächst ausgeschlossenen Kandidaten nachträglich zu. Mehrere Parteien und Organisationen riefen bereits zum Wahl-Boykott auf. () (AFP/kr)