Sie ist zudem Feministin, und als Anwältin vertrat sie Regimekritiker. Mit ihren Aktivitäten machte Sotudeh sich innerhalb des Establishments im Iran viele Feinde und wurde inhaftiert - das Europaparlament zeichnete sie im vergangenen Jahr mit dem Sacharow-Preis aus. Nun ist die 48-Jährige eine der ersten prominenten politischen Gefangenen, die während der Amtszeit des neuen Präsidenten Hassan Ruhani freigekommen sind.

Sotudeh setzte sich zunächst jahrelang an der Seite der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi für Menschen- und Frauenrechte ein. Später engagierte sie sich zunehmend für inhaftierte Dissidenten. Nach der von Wahlfälschungsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl 2009, die letztendlich zu einer weiteren Amtszeit von Mahmud Ahmadinedschad führte, übernahm sie in Abwesenheit von Ebadi die Verteidigung vieler verhafteter Regimekritiker. Als sie auch noch die Verteidigung von Ebadi selbst übernahm, die nach der Wahl ins politische Exil musste, sah die islamische Führung rot: Sie verhaftete Sotudeh im September 2010.

Die Anwältin wurde wegen angeblicher Propaganda gegen das Establishment zu elf Jahren Haft verurteilt. Später wurde die Strafe auf sechs Jahre reduziert. Ausdrücklich betont wurde, dass sie ihren Beruf in dieser Zeit nicht ausüben darf. Obwohl es Sotudeh gesundheitlich nicht gut ging, war sie Ende Oktober vergangenen Jahres für mehr als einen Monat im Hungerstreik. Den brach sie Anfang Dezember 2012 ab, nachdem die Justiz ein Ausreiseverbot für ihre Tochter aufgehoben hatte. An der Preisverleihung in Straßburg im Dezember 2012 durfte Sotudeh nicht teilnehmen. Alle diesbezüglichen internationalen Bemühungen lehnte das Regime in Teheran damals ab.

Doch die neue iranische Spitze signalisierte Kompromissbereitschaft nicht nur in Menschenrechtsfragen. Zum Atomstreit hieß es am Donnerstag aus Teheran, man strebe nicht nach der Atombombe. Man strebe nur nach friedlicher Nutzung der Nukleartechnologie.