Das Risiko von Wirtschaftssanktionen und die damit verbundene politische Isolierung nimmt Ahmadinedschad offensichtlich in Kauf. Sie drohen ihm, wenn sein Land dem Ultimatum der Vereinten Nationen nicht bis morgen nachkommt, die Anreicherung von Uran einzustellen. Das hat der 49-jährige Fundamentalist gestern auf einer Pressekonferenz in Teheran erneut kategorisch abgelehnt.

Recht auf zivile Atomnutzung
Urananreicherung ist für ihn Teil des international anerkannten Rechts auf zivile Nutzung der Atomenergie, "das ich als Vertreter dieses Volkes nicht aufgeben werde". Falls es aber zu Sanktionen seitens der UN kommen sollte, "dann wird Iran dementsprechend handeln", erklärte er, ohne Einzelheiten zu nennen.
Ahmadinedschad, der das iranische Atomprogramm und dessen Ausbau zum wichtigsten nationalen Thema gemacht hat, bietet damit der Weltgemeinschaft die Stirn. Dahinter könnte nach Ansicht von Beobachtern die Überlegung stehen, bei einem Rückzieher nicht nur bei seinen Landsleuten, sondern auch bei der gesamten islamischen Welt an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Seine Bereitschaft, über Details des Atomprogramms zu verhandeln, dürfte für den Westen bedeutungslos sein, weil die Urananreicherung den Verdacht genährt hat, der Iran strebe nach Atomwaffen.
Falls es zu Sanktionen kommen sollte, hat das iranische Parlament mehrmals nicht nur mit der Einstellung der Inspektionen durch die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO), sondern auch mit dem Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag gedroht. Die Regierung in Teheran hat diese Optionen bis jetzt zwar nicht befürwortet, ausgeschlossen hat sie sie jedoch auch nicht. Auch die Blockade der Straße von Hormus am Ausgang des Persischen Golfes, über die ein wesentlicher Teil der globalen Ölversorgung abgewickelt wird, könnte dann in Erwägung gezogen werden. Schon eine Andeutung Teherans in diese Richtung könnte die Ölpreise hochschnellen lassen.

Auch versöhnliche Töne
Iranische Regierungskreise machen keinen Hehl aus ihrer Hoffnung, dass die Verbündeten China und Russland Sanktionen nicht mittragen würden. Sie haben sich aber auf "alle möglichen Szenarien" vorbereitet. Ahmadinedschad hat mehrmals gesagt, dass "alle Mittel legitim" seien, wenn es um nationale Interessen gehe. Demonstrativ weihte er erst am Wochenende in der Stadt Arak eine neue Anlage für Schweres Wasser ein. Schweres Wasser dient auch als Moderator für Atomreaktoren.
Versöhnlicher hört sich jedoch die sonst antisemitische Rhetorik des Präsidenten gegenüber Israel an. Ahmadinedschad, der zuvor mehrmals die Vernichtung des jüdischen Staates gefordert und den Holocaust als "Märchen" bezeichnet hatte, betonte, dass das Atomprogramm seines Landes "keine militärische Bedrohung des zionistischen Regimes (Israel)" sei. Der Iran wolle das Problem in den besetzten Gebieten nicht, "wie von den Zionisten propagiert", mit Atombomben, sondern einem demokratischen Referendum lösen. Beobachter sehen in der neuen Rhetorik den Versuch Teherans, die westlichen Sorgen über einen iranischen Atomangriff gegen Israel zu zerstreuen, um sein Nuklearprogramm in ein anderes Licht zu rücken.