Nachdem sein Wahlbündnis die Parlamentswahl knapp gewonnen hat, sucht er nach Verbündeten, um wieder Ministerpräsident zu werden. Er wolle mit allen Seiten zusammenarbeiten, sagte Allawi am Samstag nach der Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses. Allerdings muss er mit dem erbitterten Widerstand des amtierenden Regierungschefs Nuri el Maliki fertig werden.Laut offiziellem Wahlergebnis errang Allawis sunnitisch-schiitisches Wahlbündnis Irakija bei der Parlamentswahl Anfang März 91 der 325 Sitze. Die Allianz von Regierungschef Maliki unterlag nur knapp mit 89 Sitzen. Schon am Samstag, einen Tag nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses, nahm Allawis Bündnis Gespräche zur Bildung einer Regierung auf. "Wir denken, dass es eine starke Regierung geben muss", sagte Allawi. Diese müsse dem irakischen Volk Frieden und Stabilität bringen. Da Allawis Bündnis nicht einmal ein Drittel der Parlamentssitze bekommt, ist allerdings fraglich, ob es Allawi gelingt, Chef einer stabilen Regierung zu werden. Allawis Rivale Maliki erkannte das Wahlergebnis nicht an. Außerdem veröffentlichte der Oberste Gerichtshof am Samstag eine Stellungnahme, wonach nicht unbedingt die Partei die Regierung bilden muss, die aus der Wahl als stärkste Kraft hervorgegangen ist. Diese Auslegung will Allawi nicht gelten lassen. Die stärkste Kraft bilde die Regierung, "selbst wenn sie nur mit einem halben Mandat Vorsprung gewonnen" hätte. Allawi bietet zwar allen Parteien Gespräche an, die Zügel will er sich aber nicht aus der Hand nehmen lassen. Die Regierungsbildung könnte nach Einschätzung von Experten Monate dauern.Allawis Familie nimmt seit Generationen Einfluss auf die irakische Politik. So war sein Großvater in den 30er-Jahren an den Verhandlungen mit der britischen Kolonialmacht für die Unabhängigkeit des Irak beteiligt. Ijad Allawi trat während seines Medizinstudiums Ende der 60er-Jahre der Baath-Partei bei. Die Sympathie für die Partei von Saddam Hussein währte aber nicht lange. 1971 verließ der laizistisch orientierte Schiit sein Land und ging nach Beirut und London. 1975 trat Allawi aus der Baath-Partei aus und wandte sich der Oppositionsbewegung zu. Ein paar Jahre später überlebte Allawi im Londoner Exil schwer verletzt ein Attentat. Fast ein Jahr verbrachte er im Krankenhaus. Schließlich gründete er ein Netzwerk von Oppositionellen, um aus dem Ausland für den Sturz von Saddam zu kämpfen.Mit Unterstützung der USA versuchte Allawi 1996 einen Umsturz. Der Plan scheiterte und Allawis Verbündete im Irak flogen auf. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 warb Allawi für einen Einmarsch der US-Armee in seine Heimat. 2002 übermittelte seine Bewegung dem britischen Geheimdienst einen Bericht über die angebliche Fähigkeit des Irak, in nur 45 Minuten Massenvernichtungswaffen in Stellung zu bringen. Die Informationen erwiesen sich als falsch.Gut ein Jahr nach dem US-Einmarsch wurde Allawi zum irakischen Übergangs-Regierungschef ernannt. Während seiner Regierungszeit von Juni 2004 bis April 2005 gaben ihm Kritiker wegen seiner strikten Sicherheitspolitik den Spitzname "kleiner Saddam". Auch zunehmende Korruption wurde ihm angelastet.Für Allawi spricht, dass er als Schiit nicht nur bei seinen Glaubensbrüdern, sondern auch bei vielen Sunniten im Land beliebt ist. Er kündigte an, gegen politische Einzelinteressen vorzugehen, die das Land spalten. Auch die konfessionellen Streitigkeiten im Sicherheitsapparat will er beilegen.