Die andauernden, ja wachsenden Anforderungen im Irak und in Afghanistan belasteten die Streitkräfte so sehr, dass ihre Einsatzbereitschaft für den Fall eines neuen Konflikts ständig sinke, warnte kürzlich der Generalstabschef des Heeres, Peter Schoomaker, in einer Kongressanhörung. "Wir haben gegenwärtig eine Strategie, die unsere Mittel überfordert."
Vier Jahre nach Beginn des Irakkrieges wird es immer klarer: Beim US-Heer fehlt es mittlerweile an allen Ecken und Enden. Zum einen haben die Spitzen der Streitkräfte alle Mühe, genügend frische Bodentruppen aufzubieten, um die von Präsident George W. Bush verfügte Truppenaufstockung um fast 30 000 Soldaten in die Tat umzusetzen. Darüber hinaus konzentriert sich das Training der in den USA stationierten Streitkräfte so stark auf die Vorbereitung auf eine Entsendung in den Irak, dass die Ausbildung für mögliche andere Kriseneinsätze zwangsläufig zu kurz kommt, wie Kommandeure schildern.
Das Engagement im Irak und in Afghanistan haben zudem einen großen Teil der Ausrüstung des Heeres und der Marineinfanterie verschlungen, nach Schätzungen etwa 40 Prozent. Es fehle den Truppen daheim an schweren und leichteren gepanzerten Fahrzeugen, Nachtsichtgeräten, Radios und mehreren Waffenarten, beklagte unlängst der Vizegeneralstabschef des Heeres, Richard Cody. Experten sagen, dass es Jahre und Dutzende Milliarden Dollar kosten wird, bis diese Lücken wieder gefüllt sind. Und es könnte sogar noch schlimmer kommen. Der Oberbefehlshaber der Koalitionstruppen im Irak, David Petraeus, macht keinen Hehl daraus, dass er gern noch mehr US-Truppen zu seiner Verfügung hätte und für einen längeren Zeitraum zumindest bis ins Frühjahr 2008 hinein.
US-Generalstabschef Peter Pace selbst räumt ein, dass das US-Heer unter den gegebenen Umständen zwar mit starker Unterstützung der Luftwaffe und Marine eine "größere Herausforderung", wie etwa einen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel, bestehen könnte. "Aber es (das unmittelbare amerikanische Eingreifen) wäre nicht so präzise, wie wir es gern hätten, und es würde auch nicht in dem Zeitrahmen erfolgen, wie wir ihn bevorzugen würden, weil wir unsere Ressourcen umverteilen müssten", zitierte die "Washington Post" den Generalstabschef.