" In seiner Rede sprach Bush dann aber nur noch von "guten Fortschritten" und betonte, dass der Krieg noch "lange nicht vorbei" sei. Die bisherige US-Militärstrategie verrät, dass das Pentagon den irakischen Widerstand völlig unterschätzt hatte - eine eilige Revision des Kriegplans ist nötig geworden.

"Der Feind, gegen den wir kämpfen, ist nicht der, gegen den wir unsere virtuellen War Games gespielt haben", gab der Kommandeur der US-Bodentruppen in Irak, General William Wallace, gegenüber der "Washington Post" zu. Das Pentagon hatte gehofft, dass irakische Soldaten sich massenhaft ergeben und interne Rebellionen gegen Saddam Hussein ausbrechen würden. Es hatte zudem erwartet, dass der irakische Machthaber sich zu einer "Endschlacht" mit seiner Republikanischen Garde in Bagdad verschanzen würde. Und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte kalkuliert, dass für den schnellen vernichtenden Schlag gegen den Feind nicht die überwältigende Truppenstärke, sondern die technologische Überlegenheit in der Luft und am Boden entscheidend sei.

Diese Strategie des Pentagon ging bislang in mehrfacher Hinsicht nicht auf: Nicht nur, dass die erhofften Aufstände und massenhaften Kapitulationen ausblieben - Saddam Hussein konterte die Überlegenheit des Feindes auch mit einer Guerillataktik, die den Feind mehrfach aus dem Hinterhalt überraschte. Er konzentrierte Truppen für die Abwehrschlacht nicht nur in Bagdad, sondern auch in anderen Städten.

Das Pentagon habe zwar von Anfang an begriffen, dass Saddam Hussein eine "stadt-zentrierte" Verteidigung aufbauen würde, schrieb der Militärexperte der "New York Times", Michael Gordon. Nicht begriffen habe es jedoch, dass er "diese Strategie auch auf Nasirija, Nadschaf, Samawa und andere Städte des südlichen Irak ausdehnen" würde. Indem sie die Invasionstruppen in Kämpfe an mehreren Fronten verwickelt, zielt die irakische Strategie letztlich darauf ab, dass sich die Kräfte des Feindes zerstreuen und der Krieg sich auch zeitlich ausdehnt.

Die Iraker nutzten die Weite ihres Landes, um "die Kräfte der Koalition zu schlucken", meint Jeff White vom Washingtoner Institut für Nahostpolitik. Die Eroberung Bagdads könnte zwar immer noch die Wende bedeuten, doch die USA haben dafür bislang zu wenige Truppen am Boden. Nicht nur strategische Fehlkalkulationen sind dafür verantwortlich, sondern auch die türkische Weigerung, Militärbasen für die Nordfront bereitzustellen.

Nach außen hin erklärten Bush und sein Team zwar weiterhin stoisch, dass der Krieg sich gut entwickle. Doch intern soll es bereits brodeln - diesen Eindruck erweckten jedenfalls einige Regierungs-Insider gegenüber der "Washington Post". Es gebe Spannungen darüber, wieviele Bodentruppen eingesetzt werden sollten, hieß es.

Rund um die Uhr aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Irak-Krieg unter:

http://www.lr-online.de/nachrichten/irak/index.html