Sie hängen in dicken Trauben von der Decke oder stecken in Mauerritzen: Im Keller einer ehemaligen Brauerei in Frankfurt (Oder) überwintern Hunderte Fledermäuse. Am Freitag haben Naturschützer in dem Quartier Inventur gemacht.

Sie gehen dabei mit Taschenlampen durch die verwinkelten Räume und zählen die Tiere. "Damit prüfen wir, wie sich der Bestand entwickelt", erläutert Lutz Ittermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die meisten der geschützten Säuger verschlafen die Prozedur einfach. Nur beringte Fledermäuse werden vorsichtig von der Wand gepflückt, manche wachen dabei auf.

Dann lesen freiwillige Helfer die Ringdaten ab, die später an die zentrale Erfassungsstelle in Dresden weitergeleitet werden. Bis zu zehn unterschiedliche Arten seien hier schon entdeckt worden, erläutert Norbert Bartel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund). Darunter auch extrem seltene Exemplare wie die Bechsteinfledermaus. Zahlenmäßig am stärksten vertreten ist das Große Mausohr. Der Keller gilt für diese Art sogar als größtes Winterquartier in ganz Deutschland. Die Bedingungen seien einfach perfekt, begründet Bartel den Andrang: "Sie mögen Feuchtigkeit, Ruhe und stabile Temperaturen ohne Frost. Das gibt es hier alles", sagt er.

Die ehrenamtlichen Helfer erkennen die unterschiedlichen Arten unter anderem an der Größe und der Form. Die einmalige Störung durch die jährliche Inventur halten die Naturschützer für verkraftbar. "Die wachen auch von Natur aus ab und zu auf, vermutlich um zu pinkeln, und schlafen wieder ein", erzählt Mia-Lana Lührs vom Nabu.

Die Fledermaus fährt ihren Stoffwechsel im Winter normalerweise radikal herunter - im Schlaf schlägt ihr Herz nur noch wenige Male in der Stunde, und sie atmet kaum noch.

1987 hatten Biologen entdeckt, dass in dem Gewölbe der ehemaligen Ostquellbrauerei Fledermäuse überwintern. Seit einigen Jahren steht das Gebäude unter Naturschutz. Die Population schwankt zwischen 1400 und 2500 Tieren, 2012 wurden knapp 1500 Tiere gezählt.

Die genauen Zahlen der diesjährigen Zählung sollten am späten Abend feststehen.

Zum Thema:
Von den bundesweit bekannten 25 Fledermausarten sind 18 bisher in Brandenburg nachgewiesen. Die fliegenden Säuger sind nachtaktiv und ernähren sich von Insekten. Sie gelten als ausgezeichnete Flieger und können Strecken von vielen Kilometern zurücklegen. Dabei orientieren sie sich über Echolot und Ultraschall. In Brandenburg besiedeln die Fledermäuse beispielsweise Ställe, Keller, Brunnen, aber auch Bunkeranlagen. Die größte in Brandenburg vorkommende Fledermaus ist das Große Mausohr. Ihre Spannweite reicht bis zu 45 Zentimetern.