Um teure Erdarbeiten zu vermeiden, sollen nach dem Willen Brüssels Internetanbieter künftig ihre Breitbandkabel durch bereits vorhandene Trinkwasserrohre schieben dürfen. Seitdem der EU-Vorschlag "über Maßnahmen zur Reduzierung der Kosten des Ausbaus von Hochgeschwindigkeitsnetzen für die elektronische Kommunikation" auf dem Tisch liegt, laufen Verbände der Wasserwirtschaft dagegen Sturm - sie befürchten gesundheitliche Risiken. Man teile "die hygienisch begründeten Bedenken und Sorgen" von Experten, heißt es jetzt in einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, die der RUNDSCHAU vorliegt.

Aus den Kabelsträngen oder Mikrorohren für Datenleitungen könnten sich nicht nur "unerwünschte Substanzen" lösen, sondern die Mikrorohre würden auch die innere Oberfläche der Wasserleitungen vergrößern. Dies schaffe zusätzlichen Lebensraum für Biofilme, in denen Bakterien gedeihen können. Auch die Trinkwasserkommission des Umweltbundesamtes, die für die Wasserhygiene in Deutschland zuständig ist, lehnt das EU-Vorhaben ab. Wenn Mikroorganismen an den zahlreichen Ein- und Austrittstellen der Datenkabel oder bei Wartungsarbeiten eindringen würden, wäre dies mit Gesundheitsrisiken für die Menschen verbunden. "Daher hat sich die Trinkwasserkommission gegen das Verlegen von Breitbandkabeln in Trinkwasserleitungen ausgesprochen", heißt es in einer Stellungnahme.

Nach Ansicht der Bundesregierung ist eine Mitbenutzung von Trinkwasserrohren nur dann möglich, "wenn alle diesbezüglichen Bedenken ausgeräumt werden können". Man teile aber die Vorbehalte gegen die Verlegung und werde sich entsprechend in den EU-Gremien einbringen.

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