Ausdrücklich forderte der Gerichtshof am Mittwoch nach der Ausstellung des Haftbefehls wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Krisenregion Darfur die Regierung in Khartum auf, al-Baschir nach Den Haag auszuliefern. Im Weigerungsfall werde der UN-Sicherheitsrat in New York eingeschaltet.Damit dürfte der "Fall al-Baschir" die Dimensionen eines internationalen Konfliktes annehmen. Mit allen Folgen, die humanitäre Helfer, Diplomaten und die Friedenstruppen von UN und Afrikanischer Union (AU) im Sudan fürchten. Wie viele andere Politiker hat deshalb auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) umgehend zu besonnenen Reaktionen aufgerufen. Zugleich betonte er, dass der IStGH als Garant dafür gesehen werde, "dass schwere Verbrechen nicht straflos und die Opfer nicht ungesühnt bleiben".Sicher ist das bei al-Baschir freilich nicht. Dass er freiwillig im Haager UN-Untersuchungsgefängnis eine Zelle bezieht, glaubt niemand. Al-Baschir kann sich auf einen starken Machtapparat stützen. "Jedem, der versucht, den Haftbefehl zu vollstrecken, werden wir die Gliedmaßen abhacken", drohte in Khartum Geheimdienstchef Salah Gosh.Vor allem aber hat al-Baschir auch im Ausland noch viele Verbündete. Bis zu 37 Staaten - vor allem in Afrika und in der muslimischen Welt - würden notfalls dem IStGH die Anerkennung entziehen, drohte bereits die Regierung Libyens.So dürfte der "Fall al-Baschir" früher oder später vor dem UN-Sicherheitsrat in New York landen. Dort kann sich Khartum bis jetzt auf seinen mächtigen Verbündeten Peking verlassen. Kein Land hat in den vergangenen Jahren derart strategisch seine wirtschaftlichen Interessen in Afrika umgesetzt wie China, das im Sudan Milliarden in die Erschließung der Erdölressourcen investiert hat. Nach dem Rom-Statut, das dem IStGH zugrunde liegt, könnte der UN-Sicherheitsrat den Haftbefehl aussetzen. Zunächst für ein Jahr und dann mit immer weiteren Verlängerungen. China und Russland wären nach Angaben von Diplomaten wohl dafür, doch die drei anderen Veto-Mächte - die USA, Frankreich und Großbritannien - lehnen dies bislang ab. Wie sie das sehen werden, wenn die al-Baschir-Clique eine neue Terrorkampagne entfacht und den Friedensprozess in Darfur sowie im Süden des Sudan zu Fall zu bringen droht, bleibt abzuwarten.