Vier mutmaßliche Drogenhändler sitzen in Cottbus in Untersuchungshaft, ein fünfter Tatverdächtiger wird heute dem Haftrichter vorgeführt. Jahrelange Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Cottbus und der gemeinsamen Fahndungsgruppe Rauschgift des brandenburgischen Landeskriminalamtes und des Zolls sind damit in die entscheidende Phase getreten.
Der Verdacht, dass Cottbuser Drogenhändler den amerikanischen Rauschgiftmarkt vor allem in Miami versorgen, kam den Ermittlern in der Lausitz bereits vor knapp drei Jahren. Staatsanwalt Olaf Jurtz erinnert sich: „Wir erfuhren, dass auf dem Flughafen in Miami drei Männer aus Cottbus kontrolliert worden waren. Während zwei damals unbehelligt passieren konnten, fand der Zoll beim Dritten 95 000 Ecstasy-Tabletten.“ Richtig hellhörig sei man geworden, als bei den beiden mutmaßlich „sauberen“ Männer nach ihrer Rückreise aus den USA via Mexiko auf dem Flughafen Frankfurt/Main jeweils 45 000 Dollar entdeckt wurden. „Wir vermuteten, dass es sich um den Erlös aus Drogengeschäften handelte“ , so Olaf Jurtz.
Die Ermittler stellten in den folgenden Monaten fest: Es gab bei Männern, die der Cottbuser Justiz nicht unbekannt waren, und deren Kontaktpersonen auffällig viele Reisen nach Amerika. Einige der mutmaßlichen Rauschgifthändler hatten Anfang der 90er-Jahre in der so genannten Cottbuser Opel-Bande ihr Unwesen getrieben oder waren wegen Autoverschiebungen auf dem so genannten Russenmarkt zu Haftstrafen verurteilt worden. Mit Eugen S., der in Cottbus-Sielow eine Pizzeria betrieb, und Cornel G., der überwiegend in Mailand lebte, gehörten auch zwei Rumänen zu den Tatverdächtigen.

Aufwändige Ermittlungen
„Es waren umfangreiche und schwierige Ermittlungen. Wir haben mit der Antimafia-Bezirksstaatsanwaltschaft in Mailand zusammengearbeitet, mit der Drogenfahndung in Miami und mit der spanischen Polizei“ , beschreibt Olaf Jurtz die aufwändige Spurensuche nach Beweisen für einen umfangreichen Drogenhandel.
Immer wieder ging es dabei um die Modedroge Ecstasy. Cornel G., offensichtlich der Logistiker der Gruppe, hat die Tabletten nach Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft in Belgien besorgt, die zunächst in Deutschland zwischengelagert wurden. Drogenkuriere brachten sie dann in die USA, pro Fahrt und Person zwischen 90 000 und 100 000 Stück.
Das Risiko ist den Transporteuren der illegalen Drogen gut entlohnt worden. Neben dem kostenlosen Aufenthalt in Miami bekamen sie zwischen 5000 und 10 000 Dollar.

Lohnendes Geschäft
Seit dem ersten Verdacht eines umfangreichen internationalen Drogenhandels aus der Lausitz in die USA im Spätsommer des Jahres 2000 bis heute schnappten Fahnder in den USA und Spanien sieben Rauschgiftkuriere aus Cottbus. Sie sind inzwischen verurteilt. Fünf erhielten in Amerika Haftstrafen zwischen knapp vier und sieben Jahren. Zwei andere verurteilte die spanische Justiz zu je neun Jahren Freiheitsentzug.
Das Geschäft lohnte sich vor allem für die Drahtzieher des Ecstasy-Handels, zu denen offensichtlich der rumänische Pizzeria-Besitzer aus Cottbus und sein Landsmann Cornel G. gehörten. Der sitzt bereits seit Oktober vergangenen Jahres in Mailand im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft in Cottbus geht nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass mindestens 1,4 Millionen Ecstasy-Tabletten geschmuggelt wurden. Bei einem Einkaufspreis von 50 Cent in Belgien und einen Verkaufserlös von 25 Dollar pro Stück in den USA verbuchten sie beträchtliche Gewinne.
Die Ermittler sind überzeugt, dass der internationale Drogenhändlerring mit den jüngsten Verhaftungen weitgehend zerschlagen ist und die wichtigsten Kuriere und deren Hintermänner verhaftet sind. „Wir haben allerdings Hinweise auf noch andere Verdächtige und ermitteln weiter“ , so Olaf Jurtz.