Knapp vier Wochen nach den gescheiterten Kofferbomben-Attentaten wurde am Samstag gegen einen dritten Terrorverdächtigen Haftbefehl erlassen. Der 23-jährige Syrer Fadi A. S. war am Freitag in einem Studentenwohnheim in Konstanz am Bodensee gefasst worden. Ihm werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Der Mann soll aus dem Umfeld des vor einer Woche in Kiel festgenommenen mutmaßlichen Kofferbombers Youssef Mohamad El Hajdib stammen.
Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), sagte gestern: "Es liegen derzeit keine Hinweise auf die Existenz einer weiteren Terrorzelle vor." Der BKA-Chef schloss aber auch weitere Festnahmen im Zusammenhang mit der Kieler Gruppe nicht aus. "Große Sorge" bereite ihm, dass die Terrorgefahr in dem konkreten Fall erst spät erkannt worden sei.
Generalbundesanwältin Monika Harms hofft ebenfalls auf weitere Fahndungserfolge. "Ich schließe es nicht aus, dass es noch weitere Beteiligte gibt", sagte sie am Wochenende. Die Behörden hätten "zahlreiche Ermittlungsansätze", etwa durch den Computer des 23-jährigen Syrers sowie Verhöre im Libanon.
Zurückhaltend kommentierte Ziercke Berichte über eine angebliche Verbindung der Festgenommenen zu Al Qaida: "Der Anti-Terror-Kampf hat Al Qaida schwer zugesetzt, sie hat nicht mehr die operative Kraft wie zu Zeiten des 11. September. Al Qaida ist aber dabei, neue Zellen aufzustellen. Ob die Festgenommenen dazugehören, ist die ganz große Frage, die wir klären müssen." Auch Harms wollte mögliche Verbindungen der Kofferbomber zu Al Qaida "mit Vorsicht bewertet wissen", aber nicht ausschließen.
Die Sicherheitsbehörden im Libanon prüfen derzeit Verbindungen der dort wegen der Bahn-Attentate festgenommenen zwei Terrorverdächtigen zum europäischen Netzwerk einer Extremisten-Organisation. Dabei geht es um die sunnitische Fundamentalistengruppe Al-Tahrir.
Indes ist die Debatte um die seit Jahren umstrittene Anti-Terror-Datei erneut entbrannt. CSU-Chef Edmund Stoiber forderte die SPD auf, den Weg für eine umfassende Anti-Terror-Datei freizumachen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, wies Stoibers Vorwurf zurück, schon Rot-Grün habe die Datei blockiert. Aus verfassungsrechtlichen Gründen könne es aber nur eine Index-Datei geben, nicht die von vielen Unions-Politikern gewünschte Volltextdatei. SPD-Chef Kurt Beck plädierte für eine erweiterte Indexdatei. Er ließ offen, ob darin auch die Religionszugehörigkeit vermerkt werden solle, wie dies Stoiber und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gefordert hatten.
Die Datei, die Erkenntnisse von Geheimdiensten und Polizei verknüpfen soll, wird zentrales Thema der Sondersitzung der Innenministerkonferenz am 4. September. (dpa/ab)