Als Spätaussiedlerin reiste Schmidt Ende 2003 aus der Moskauer Region nach Deutschland ein. Heute lebt sie im sächsischen Löbau.
In der Oberlausitzstadt arbeitet die Frau als Ein-Euro-Jobberin im Aussiedlerverein "Neue Heimat". Ihre persönlichen Erfahrungen über die Ankunft und die langsam schrumpfende Distanz im neuen Land stehen vielleicht für mehr als nur ein Einzelschicksal. In vielen Orten haben sich längst Kultur- und Unterstützungsvereine für Aussiedler gegründet. Die Initiativen wollen zur Überwindung von Sprachschwierigkeiten und Arbeitslosigkeit beitragen. Auch das Image, dass Russlanddeutsche häufig als passiv und kriminell abstempelt, soll sich ändern. Der Bundesbeauftragte für Aussiedler, Christoph Bergner (CDU), spricht von einer "insgesamt recht guten Integration" der rund 2,3 Millionen Russlanddeutschen, die seit 1990 nach Deutschland gekommen sind. Es gebe aber in den östlichen Bundesländern noch immer eine "große Unsicherheit" in der "Einordnung" der Volksgruppe.

Bereicherung der Gesellschaft
Bergner erinnert an die besonderen "kulturellen Erfahrungen" der Russlanddeutschen. Sie seien für die hiesige Gesellschaft eine große Bereicherung, "wenn wir ihre Geschichte und besonderen Prägungen ernst nehmen und verstehen". "In dieser Hinsicht ist aber noch eine Menge zu tun." Auf der anderen Seite sei das Maß an kultureller Selbstorganisation in den östlichen Bundesländern noch lange nicht so stark wie im Westen, betont der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Als Beispiel verweist er auf die bundesweite Lands mannschaft der Russlanddeutschen, die im Osten noch stark unterrepräsentiert ist.
Dennoch regt sich auch in den neuen Ländern etwas. So haben sich in Sachsen zahlreiche Aussiedlervereine, deren Namen zum Beispiel "Hoff nung-Nadeschda", "Die Mutmacher" oder "Zusammenleben" lauten, 2006 zu einem Integrationsnetzwerk zusammengeschlossen. In den Initiativen engagieren sich zum Teil Einheimische und erteilen Deutschunterricht. "Wir wollen uns nicht abkapseln", betont Katharina Schmidt.
Auch die evangelische Kirche setzt sich für die Integration der eingewanderten Russlanddeutschen ein, von denen 40 bis 50 Prozent "evangelisch" als Konfession angeben. So laden in Sachsen und Berlin-Brandenburg die Landeskirchen einmal im Jahr zu einem Aussiedlertag ein. Zwar ist der Zuzug nach Sachsen mit voraussichtlich 300 neuen Aussiedlern in diesem Jahr fast zum Stillstand gekommen. Dennoch werden zum Treffen heute in Löbau mit 1700 Teilnehmern etwas mehr als in den Vorjahren erwartet.
Eingeladen seien alle Aussiedler, egal ob kirchlich oder nicht, sagt der Ökumenereferent im Dresdner Landeskirchenamt, Friedemann Oehme. Die Zugewanderten sollen weiter zur Integration ermuntert werden. Der Migrationsbeauftragte der sächsischen Diakonie, Albrecht Engelmann, bezeichnet Begegnungen zwischen Einheimischen und Aussiedlern als "absolut wichtig". Integration brauche beide Seiten, betont er.

Zunehmende Organisation
Engelmann beobachtet ein gewachsenes Selbstbewusstsein der Aussiedler. Sie merkten, dass sie eine große Gruppe seien und etwas einzubringen hätten, betont er. Katharina Schmidt bestätigt die Tendenz, dass sich die Russlanddeutschen zunehmend organisieren.
Ein Blick in die von ihrem Löbauer Verein monatlich herausgegebene Zeitschrift "Neue Heimat" verrät, dass sich viele bereits besser eingelebt haben als oftmals angenommen. Berichtet wird dort über russlanddeutsche Sportmeister und erfolgreiche Fußballclubs, über "Subbotniks", bei denen zusammen mit Einheimischen im Wohngebiet Müll und Unkraut beseitigt wird, oder über eine Mädchen-Tanzgruppe.