Montaser Al Naser (30) hat viele Pläne für sein neues Leben in Deutschland - und viele Fragen. Wo kann er Deutsch lernen? Wird sein syrischer Hochschulabschluss angerechnet? Wo kann er als Student leben? Seit vier Monaten ist der Flüchtling aus Syrien nun im Land. Bisher hat er kaum Antworten gefunden. "Ich will meinen Master machen", sagt er. "Mit einem guten Abschluss findet man leichter einen Job hier."

Doch derzeit lebt er noch mit 200 anderen Flüchtlingen in einer Turnhalle in Neu-Ulm. Etwa 50 000 Menschen wie Al Naser, die dieses Jahr aus Krisengebieten kommen und hier studieren wollen, werden Unis und Hochschulen in Deutschland demnächst wohl aufnehmen. Das schätzt Jürgen Zöllner, Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Diese Zahl stellt die Bildungspolitik von Bund und Ländern vor enorme Herausforderungen. Einige davon werden heute und morgen Thema der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin sein.

Studierwilligen Asylsuchenden müssten Wege in die Hörsäle geebnet werden, verlangt die SPD-nahe Stiftung: Zugang zu Sprachkursen oder Studienkollegs, eine zuverlässige und dauerhafte Finanzierung des Lebensunterhaltes der oft mittellos in Deutschland gelandeten Flüchtlinge, neue Studienplätze. Und möglichst schnell soll es auch noch gehen - was nicht immer einfach ist, etwa wenn Unterlagen zu Schulabschlüssen vollständig fehlen.

Am guten Willen fehlt es nicht. So sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) Hilfe zu: "Wir wollen, dass die Hochschulen zur Integration beitragen." Ihr Haus habe Maßnahmen beschlossen, die Flüchtlingen mit Qualifikationen den Hochschulzugang erleichtern sollen. Um Sprachkenntnisse und Studierfähigkeit früh festzustellen und zu fördern, werde der Test mit Bundesmitteln in die Sprachen der Asylbewerber übersetzt. Zudem stelle der Bund 2400 zusätzliche Plätze an vorbereitenden Studienkollegs für Ausländer bereit.

Ab 1. Januar 2016 können nicht nur Asylberechtigte ohne Wartezeit Bafög bekommen, auch Geduldete hätten nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland ein Anrecht, sagt Wanka.

Dieter Lenzen, Präsident der Uni Hamburg und Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), möchte beim Geld studierwillige Asylbewerber nicht warten lassen: "Nach den Erfahrungen, die diese während der Flucht gemacht haben, sollte Normalität zu erreichen das vordringlichste Ziel sein." Daher sei "jeder Bürokratismus etwa beim Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung, der Rekonstruktion von Bildungsbiografien oder der Feststellung von Studierfähigkeit zu vermeiden".

Immer mehr Unis befreien Flüchtlinge bereits von Gebühren für eine Gasthörerschaft oder bieten spezielle Sprachkurse, kostenlose Bibliotheksausweise und Internetzugänge an. Laut HRK berichteten bislang mehr als 90 Hochschulen in Deutschland von solchen Aktivitäten, Projekten und Initiativen.

Die meisten Flüchtlinge könnten ihre Qualifikation nachweisen wie Al Naser, sagt Thomas Böhm von der Hochschulrektorenkonferenz. Trotzdem gebe es Hindernisse auf dem Weg in den Hörsaal - zum Beispiel fehlende Deutschkenntnisse. "Wenn man bei null anfängt, braucht man etwa ein Jahr mit einem Intensivkurs von 20 bis 25 Stunden die Woche." Böhm fordert finanzielle Unterstützung, um die Programme kostenlos anbieten zu können.

Von rund 105 000 befragten Asylsuchenden gaben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dieses Jahr bisher rund 17 Prozent an, in ihrer Heimat eine Universität oder Fachhochschule besucht zu haben. Unter den Befragten aus Syrien waren es sogar knapp 30 Prozent. Für die Eingliederung in Deutschland sei dies eine gute Voraussetzung.

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Auch die BTU Cottbus-Senftenberg qualifiziert Zuwanderer mit akademischem Hintergrund. Sie bietet "Brückenmaßnahmen für Akademiker" an. Diese richten sich an Ingenieure aus dem Ausland, die ihre Fähigkeiten vertiefen und ihre Arbeitsmarktchancen in der Region verbessern wollen.