"Besonders die Umsetzung des sogenannten Bologna-Prozesses führt zu immer schwierigeren Lehr- und Studienbedingungen", sagte gestern Direktor Eduard Werner bei einer Tagung der Räte für sorbische Angelegenheiten von Sachsen und Brandenburg in Dresden. Im Bologna-Prozess sollen bis 2010 europaweit alle Studienabschlüsse auf Ba che lor und Master umgestellt und damit einheitlich werden. Laut Werner bedrohten dadurch veranlasste Stellenkürzungen den hohen Ausbildungsstandard in dem weltweit einzigartigen Studiengang.
Roland Werner von Sachsens Wissenschaftsministerium verwies darauf, dass die Stellenkürzungen im Vergleich zu anderen Politikbereichen gering seien. Sachsens Hochschulvereinbarung aus dem Jahr 2003 lege nur den Abbau von 300 Stellen bis 2010 fest. In der Umsetzung des Bologna-Prozesses gebe es keine zentrale Vorgaben der Ministerien wie in anderen Ländern. Die Universitäten hätten hier Freiheiten, sagte Werner.
Laut Institutsleiter Eduard Werner sind kleine Fächer wie die Sorabistik besonders hart von den Umstellungen betroffen. Im Fach gebe es nur 25 Studierende, die von der Universitätsleitung zugewiesenen Ressourcen würden aber nach Studentenzahlen berechnet. Einerseits würden Stellen gestrichen und andererseits der Fakultätsetat gesenkt, sodass eine Übernahme der wegfallenden Lehrangebote durch Honorarkräfte zunehmend problematisch sei.
Sorabistik kann weltweit nur an der Universität Leipzig studiert werden. Der Studiengang lehrt Sprache, Kultur und Geschichte der in der brandenburgischen Niederlausitz und sächsischen Oberlausitz beheimateten Minderheit. Zudem werden Lehrer für die sorbische Sprache ausgebildet. (dpa/ab)