Der Verein galt als gewaltorientiert. Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, den Dschihad zu glorifizieren sowie Jugendliche zu "missionieren", hieß es am Donnerstag in Sicherheitskreisen. Passend dazu stellte die Gruppierung im Schriftzug ihres Namens "Tauhid" ("Einheit Gottes") das "i" stets als Schwert dar. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat deshalb jetzt die militant-dschihadistische Vereinigung "Tauhid Germany" verboten.

Um sechs Uhr morgens begannen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein Razzien in 26 Objekten. Insgesamt waren 500 Beamte im Einsatz, darunter auch Spezialeinsatzkräfte. Verhaftungen gab es nicht.

Dem Vernehmen nach reagierte die Terrormiliz IS prompt auf die Maßnahme. Demnach seien auf Twitter der Innenminister beschimpft und Drohungen ausgesprochen worden. Für die Behörden ist das jedoch nicht erstaunlich, eher zeige dies den Grad der bestehenden Vernetzung.

"Tauhid Germany" gilt als Ersatzorganisation der 2012 verbotenen Vereinigung "Millatu Ibrahim". Drei führende Köpfe von damals hätten die neue Gruppierung bewusst ins Leben gerufen, um Muslime und Nicht-Muslime über verschiedene Internetplattformen und an Informationsständen weiter "auf kämpferisch-agressive Weise" gegen die verfassungsmäßige Ordnung aufzubringen.

Schwerpunktmäßig, so die Sicherheitskreise, seien die Anhänger auch bei der Gefangenenbetreuung tätig gewesen, um Insassen zu radikalisieren. Außerdem seien über 400 Propagandavideos zum gewaltsamen Dschihad von Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat in Syrien und dem Irak ins Internet gestellt worden.

De Maizière betonte, er hoffe, dass die betreffenden Inhalte der Gruppe nun von den Netzanbietern gelöscht würden. Sichergestellt wurde bei den Razzien umfangreiche IT-Technik, darunter Computer, Speichermedien, Handys und Fotoapparate. Außerdem fanden die Beamten Propagandamaterial wie Flyer, DVDs und Bekleidungsstücke. Das Material werde nun ausgewertet und auf strafrechtliche Relevanz überprüft.

Anhänger hat die jetzt verbotene Organisation allerdings nur 30. Gleichwohl wurde gestern betont, dass es sich um eine "Zelle" gehandelt habe, die auch versucht habe, Ausreisen nach Syrien zu betreiben und Terroristen zu rekrutieren. Die Größe spiele keine Rolle für ein Verbot, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben seien. Zudem zeige die Erfahrung, dass Teile der Anhängerschaft dann ihre Aktivitäten tatsächlich einstellten. Das werde man nun weiter konkret beobachten.

De Maizière setzt damit seine Offensive gegen Salafisten in Deutschland fort. Dazu gehören Vereinsverbote ebenso wie eine intensive Beobachtung der Szene, die Strafverfolgung sowie Prävention und Aufklärung. Seit 2012 wurden insgesamt vier islamistische Vereinigungen hierzulande verboten - zuletzt 2014 auch der Islamische Staat.