Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) habe sich mit ihrem Vorschlag, die Zuschüsse zu erhöhen, bei den Haushaltsverhandlungen im Kabinett nicht durchsetzen können, sagte eine Sprecherin des Ministeriums und bestätigte damit einen Bericht der Chemnitzer Tageszeitung "Freie Presse". Die Kürzungen von jährlich sieben Prozent waren im Koalitionsvertrag von CDU und SPD 2004 vereinbart worden. In diesem Jahr bekommt der Zweckverband noch 822 000 Euro vom Land.

Landtag muss zustimmen
Die Ministeriumssprecherin betonte, dass die Entscheidung noch nicht endgültig sei und den Landtag noch passieren müsse. Ministerin Stange hatte sich dafür eingesetzt, der Industriekultur mehr Aufmerksamkeit zu schenken, auch um Jugendliche für technische Berufe zu begeistern. Dazu gehörte aus Sicht der Politikerin auch eine Aufstockung der Mittel für den Zweckverband.

Kürzungen folgten Absagen
Der Chef des Industriemuseums, Jörg Feldkamp, forderte die Abgeordneten auf, dass Ruder noch herumzureißen. Er stehe mit einzelnen Fraktionen im Gespräch. Werde weiter gekürzt, müsse er diverse Veranstaltungen und Ausstellungen absagen. Geht es nach den Planungen des Kabinetts, gebe es im kommenden Jahr rund 764 000 Euro vom Land, 2010 noch rund 710 000 Euro.
Der Verband war 1997 entstanden und umfasst vier kommunale Museen: das Industriemuseum Chemnitz, das Westsächsische Textilmuseum Crimmitschau, die Zinngrube Ehrenfriedersdorf und das Bergbaumuseum in der ehemaligen Brikettfabrik Knappenrode. Stange hatte zu Jahresbeginn angeregt, dass auch der Bergbau-Technik-Park Großpösna bei Leipzig, das Kraftwerk Hirschfelde und das Verkehrsmuseum Dresden dem Zweckverband beitreten.
Kritik an den geplanten Kürzungen kam von der Opposition. "Das ist ein herber Rückschlag", sagte der kulturpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Andreas Schmalfuß. Die Staatsregierung verkenne die Bedeutung der Einrichtungen. Sachsen müsse sich zu seinem industriekulturellen Erbe bekennen.

Falsches politisches Signal
Karl-Heinz Gerstenberg von den Grünen sprach von einem "Trauerspiel". Die Regierung entziehe sich ihrer kulturpolitischen Verantwortung. "Dass die Koalition ausgerechnet bei der Bewahrung der Erinnerung an die wirtschaftliche Schaffenskraft unserer Vorfahren den Rotstift angesetzt hat, passt nicht zum Selbstverständnis des Techniklandes Sachsen und ist ein falsches politisches Signal", sagte Chef der Linksfraktion, André Hahn. (dpa/mb)