Neue Mitglieder im Zweckverband für die Industriemuseen in Sachsen sollten finanziell gesund sein. "Oft handelt es sich um notleidende Einrichtungen, für die der Zweckverband der rettende Strohhalm sein soll. Das geht nicht", sagte Geschäftsführerin Andrea Riedel in Chemnitz. Die neuen Mitglieder müssten ihren finanziellen Beitrag leisten können.

Wenig geeignete Interessenten

Der Verband werde am 7. März Kriterien für Neuaufnahmen beschließen, sagte Riedel. Anhand derer werde dann geprüft, welche für das Land wichtigen Industriezweige noch fehlten und schließlich nach geeigneten Partnern gesucht. Laut Riedel gibt es zwar viele Interessenten - Kommunen und Kreise mit technischen Museen oder Industriedenkmalen -, die dem Zweckverband beitreten wollten. Diesen könne sie aber kaum Hoffnung machen, weil viele finanziell angeschlagen seien. Zum Zweckverband Sächsisches Industriemuseum gehören bisher das Chemnitzer Industriemuseum, die ehemalige Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau, die Energiefabrik Knappenrode und die Zinngrube Ehrenfriedersdorf, ein Besucherbergwerk.

In alle vier Museen kamen 2012 den Angaben zufolge rund 100 000 Besucher. Die Häuser werden vom Verband betrieben und finanziert.

Der Zweckverband hat sich zum Ziel gesetzt, gegenständliches Kulturgut zu sammeln und zu bewahren. Bedeutende Industriedenkmäler sollen erhalten und für die museale Nutzung zugänglich gemacht werden. Im neuen Doppelhaushalt der Jahre 2013/14 wurden die Zuschüsse für den Verband von jährlich 1,1 Millionen Euro auf 1,7 Millionen Euro erhöht. Hinzu kommen - das ist neu - noch einmal je 1,1 Millionen Euro für Investitionen.

Freistaat gibt Unterstützung

"Mit den deutlich erhöhten Zuschüssen haben wir gezeigt, welch hohe Wertschätzung das industriekulturelle Erbe bei uns genießt", sagte Ministerin Sabine von Schorlemer (parteilos). Die Industrie hat Sachsen einst Reichtum beschert. Heute gibt es im Freistaat viele Industriedenkmale. Die Ministerin will die Industriegeschichte stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken.

In diesem Jahr wird deshalb erstmals ein mit 5000 Euro dotierter Preis für Industriekultur vergeben. Auch die 4. Sächsische Landesausstellung soll sich der Industriekultur widmen. Im Ministerium wird aber auch ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Zweckverband, wenn er sich erweitern will, die Bedingungen für die neuen Mitglieder klar definieren müsse.

Unter anderem müsse dabei ein entsprechender kommunaler Eigenbeitrag gesichert sein, hieß es. Riedel zufolge wird der Zweckverband nicht vor Mitte 2014 über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheiden - wenn die Verhandlungen für den Doppelhaushalt der Jahre 2015/16 vor der Tür stehen.