"Die internationalen Klimaverhandlungen brauchen dringend politischen Schwung", sagte Gabriel, der die Konferenz eröffnete. "Nur so können wir die Jahrhundertaufgabe meistern." Bei den Gesprächen säßen die "Verursacher von rund zwei Dritteln der globalen Treibhausgas-Emissionen und die Nutzer von etwa drei Vierteln der biologischen Kapazität der Erde" an einem Tisch. Ohne dieses Potenzial wäre ein weltweiter Klimaschutz nicht durchsetzbar. Dazu solle von Potsdam ein überzeugendes Signal ausgehen.
Besonders die Schwellenländer sollten ins Boot geholt werden, sagte Gabriel. Im fairen Interessenausgleich seien dann auch die Entwicklungsländer stärker am Nachfolge-Prozess des vor zehn Jahren vereinbarten Kyoto-Protokolls zu gewinnen. Gabriel und Steiner erwarten, dass die G 8-Staats- und Regierungschefs Anfang Juni bei ihrem Treffen in Heiligendamm den Anstoß zu neuen globalen Verhandlungen für die UN-Klimakonferenz im November auf der indonesischen Insel Bali geben werden. Dazu erwarten Experten auf Grund des fortschreitenden Klimawandels deutlich ehrgeizigere Abbauziele beim Kohlendioxid (CO 2 ) als die 5,2 Prozent Verringerung im Zeitraum 1990 bis 2012. Bis 2020 hat sich die EU auf minus 20 Prozent festgelegt und zu 30 Prozent, wenn andere Länder mitmachen.

"Monopoly ist transparenter"
Gabriel kündigte eine Art Fahrplan an, mit welchen Maßnahmen und Schritten Deutschland seine im Rahmen der EU eingegangenen Verpflichtungen zum Abbau von Kohlendioxid verwirklichen will. Dazu gehören nach Angaben aus der Koalition neben Auto-CO 2 -Grenzwerten nach Schadstoffklassen auch die Förderung von Biokraftstoffen sowie der CO 2 -Emissionshandel. Dieser sei von der EU dringend zu reformieren und durchsichtiger zu gestalten. "Selbst Monopoly ist transparenter als der Emissionshandel", sagte er. Neben der restriktiven Ausgabe von Verschmutzungszertifikaten an die Industrie - künftig soll auch Flugverkehr einbezogen werden - sei daran zu denken, große Börsenschwankungen durch zentrale Auf- und Verkäufe auszugleichen.

Verweis auf nationale Maßnahmen
Umweltverbände forderten konkrete Entscheidungen in Potsdam, die auch die USA und China zu verbindlichen Klimaschutzzielen verpflichteten. Gabriel und Steiner betonten, dass diese Länder nationale Maßnahmen zum Abbau der Treibhausgase ergriffen hätten oder wollten. Noch sei nicht davon auszugehen, dass Peking und Washington sich auf konkrete Zielen im Rahmen eines Nachfolgeabkommens von Kyoto festlegen ließen.
Greenpeace-Experte Karsten Schmid forderte die Industrieländer auf, den ersten großen Schritt gegen den Klimawandel zu machen. Sie seien immerhin für 43 Prozent der CO 2 -Emissionen verantwortlich, sagte er. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärte, weltweit sei bis 2050 eine Reduktion der Emissionen um 50 Prozent notwendig. Der BUND mahnte Beschlüsse zum Schutz der den CO 2 -Abbau fördernden Regenwälder an.
Zum Potsdamer Treffen der G 8-Gruppe der sieben großen Industrieländer (USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada) sowie Russlands sind erstmals auch die Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika geladen.
Auf dem EU-Asean-Gipfel wurde indes zum Klimaschutz vereinbart, alternative Energien auszubauen und die Energie-Effizienz zu erhöhen. Dafür sollen Informationen und technisches Know-how ausgetauscht werden. Neben Birma gehören zum ASEAN Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. (dpa/ab)