Im traditionsbewussten Inselstaat sind bis heute nur wenige Vorschriften, die in vergangenen Epochen von echter Bedeutung gewesen sein mögen, aufgrund des Einzugs der Moderne gestrichen worden. Mancher Paragraph ist uralt. So ist es schon seit 1279 Parlamentsmitgliedern verboten, in Rüstungen zu erscheinen - allerdings haben sie immerhin das Recht, sich frei in Westminster zu bewegen.
In den vergangenen 40 Jahren wurden 2000 Gesetze gestrichen - für britische Verhältnisse ein geradezu radikaler Entrümpelungsakt. Doch es gibt immer noch 4000 nationale, 11 000 lokale und 13 000 private Gesetze, die vor dem Jahr 1801 entstanden und nach wie vor rechtskräftig sind. "Die Tradition des Gesetzes ist sehr wichtig", sagt Nigel Cawthorne, Autor des Buches "Merkwürdige Gesetze im alten England". Die Dinge änderten sich zwar, aber nur sehr langsam.
So ist es möglich, dass sich viele absurde Vorschriften hartnäckig in den Gesetzbüchern halten und Generationen von Jurastudenten belustigen. So ist es verboten, im Westminster-Palast zu sterben. Wenn sich dies doch ereignet, muss der Leichnam vor der Ausstellung der Sterbeurkunde aus dem Gebäude entfernt werden. "Weil es sich um einen königlichen Palast handelt, hätte der Tote ansonsten Anspruch auf ein Staatsbegräbnis", erläutert Cawthorne die Sorge, die diesem Paragraphen zu Grunde liegt.
Andere Gesetze sind in dem Versuch entstanden, das Leben in den Vorstädten zu zivilisieren. Im 19. Jahrhundert müssen sich manche Nachbarn ständig auf die Nerven gegangen sein oder sich selbst in Gefahr gebracht haben, denn der "Town Police Clauses Act" von 1872 regelt das Zusammenleben bis ins Detail. Er verbietet, Wäsche auf der Straße auszubreiten, Teppiche auszuschlagen, anzügliche Lieder zu singen, ohne Grund die Feuerwehr zu rufen, im Garten zu zündeln, Drachen steigen zu lassen, auf dem Eis zu laufen, ständig an der Türe anderer Leute zu klingeln oder Lampen auszumachen.
Doch es kommt ein weiteres Problem hinzu: Der Umstand, dass die britischen Gesetzgeber auch heute noch den Hang haben, recht abstrakten Gefahren mit konkreten Gesetzen zu begegnen. So verbietet es der "Outer Space Act" von 1986 jedem britischen Bürger, ohne offizielle Genehmigung Gegenstände in den Weltraum zu katapultieren. Richtern gesteht die Gesetzgebung zudem zu, Gewalt anzuordnen, um eine extra-terrestrische Invasion abzuwehren.