Bush darauf, dass ein bloßer Waffenstillstand im Libanon sinnlos sei, wenn "die Wurzeln des Problems" unberührt blieben, sprich ohne Entwaffnung der Hisbollah. Einige Stunden später, nach einem Abendessen mit Außenministerin Condoleezza Rice, kam eine etwas andere Botschaft aus dem Weißen Haus. Die USA wollen den UN-Sicherheitsrat zu einer Entschließung zur Lösung des Konflikts drängen, die einen Waffenstillstand ermögliche, so der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Frederick Jones.
Hintergrund der neuen Töne sind Irritationen in Washington über Israels Strategie. Als die Bombardierung des Libanon begann, waren sich Bush und Israels Führung einig, dass es keine Ruhe geben werde, bevor die Hisbollah-Miliz nicht entscheidend geschwächt sei. Allerdings wurde mit einer wenige Wochen dauernden Militäraktion gerechnet.
Nun aber scheinen eher die schlimmsten Befürchtungen von Bush Wirklichkeit zu werden: Israels Waffengang droht den Nahen Osten weiter zu radikalisieren und die Hoffnung auf ein pro-westliches, demokratisches Libanon zu zerstören. Auch deshalb "wachsen die Spannungen zwischen den USA und Israel", meint das "Wall Street Journal". Es scheine, dass Israels Bomben "der Hisbollah nicht annähernd so geschadet haben wie gedacht". Israel stehe "die größte militärische Demütigung seiner Geschichte bevor. Israel ist dabei, den Krieg zu verlieren", schreibt der Publizist Bret Stephens.
In den USA mehren sich die Stimmen, die mehr Distanz zu Israel fordern. Ex-Präsident Jimmy Carter warnte vor einer "verheerenden Antwort", wenn weiterhin "unmenschlich und kontraproduktiv die zivile Bevölkerung bestraft wird".