Laut Landeskriminalamt stieg die Zahl der Krakeleien nach einem Rückgang von 2002 bis 2004 in den vergangenen zwei Jahren wieder an. 2006 wurden 7521 Fälle gezählt – immerhin 11,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Schaden ging aber um fast 19 Prozent auf etwa 1,5 Millionen Euro zurück. Etwa eine Million Euro jährlich kostet der Vandalismus die Verkehrsbetriebe der Messestadt Leipzig. „Allerdings hat sich das Geschehen vor allem auf das Zerkratzen von Scheiben verlegt und das ist teuer. Graffiti sind seltener“ , sagt Sprecher Reinhard Bohse. Davon betroffene Fahrzeuge würden sofort aus dem Verkehr gezogen, um den Sprayern die Freude zu nehmen. Ähnlich ist es in Dresden, wo die Verkehrsbetriebe für die Vandalismusschäden an Fahrzeugen und Haltestellen jedes Jahr fast zwei Millionen Euro aufbringen müssen.
Die Deutsche Bahn hat für Vandalismus-Schäden im Regionalverkehr im vergangenen Jahr fast 300 000 Euro ausgegeben – einschließlich Graffiti. Die Summe sei in etwa gleichgeblieben, sagt Bahnsprecher Jörg Bönisch. „Gegen Graffiti-Sprayer kann sich die Bahn trotz eines Sicherheitsdienstes nur schwer schützen.“
Der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft in Chemnitz, die rund 35 000 Wohnungseinheiten verwaltet, sind im vergangenen Jahr rund 300 000 Euro Schaden entstanden. „Tendenz: leicht rückläufig“ , sagt Sprecher Stefan Reisz. Er glaubt, dass sich die Sprayer-Szene neu geordnet hat: „Illegale ,Bildkünstler’ gibt es kaum noch. Die bieten ihre Dienste ganz legal an und schauen mittlerweile selbst auf die ,Krakler’ herab.“
In Leipzig hat die Wohnungs- und Baugesellschaft für die Beseitigung von Graffiti-Schmierereien an mehr als 1000 Häusern im Vorjahr fast 160 000 Euro ausgegeben.
Für die Beseitigung von Schmierereien an öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Sportstadien sind die Kommunen zuständig. In Chemnitz wird der Graffiti-Schaden 2006 mit 379 000 Euro beziffert. „Das bleibt in etwa jedes Jahr gleich“ , sagt Stadt-Sprecher Andreas Bochmann. Bei der Polizei gebe es seit zehn Jahren eine spezielle Ermittlungsgruppe, die in rund 18 Prozent aller Fälle erfolgreich sei. In Zwickau werde versucht, Flächen für Graffiti etwa in einem Fußgängertunnel legal anzubieten, sagt Stadtsprecher Matthias Merz. Seither seien die Schmierereien drastisch zurückgegangen.
Leipzig hat für das Entfernen von Graffiti im vergangenen Jahr rund 58 200 Euro ausgegeben. „Wir wollen in diesem Jahr illegale Graffiti an städtischem Eigentum konsequent beseitigen“ , kündigt Bürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) an. Neben einer „schnellen Eingreiftruppe“ sollen verurteilte Straftäter Hand anlegen.



Zum Thema: Kunst oder Straftat?
  An Graffitis scheiden sich die Geister: Für die einen sind sie Kunst, für die anderen Schmierereien. Da illegale Sprühereien in Deutschland jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von mehreren Hundert Millionen Euro verursachen, verschärfte der Bundestag im September 2005 den Kampf gegen die Sprayer.
Die Neuregelung ergänzt die Paragrafen 303 und 304 zur Sachbeschädigung im Strafgesetzbuch. Sprayer, die ertappt werden, drohen damit Geldbußen und bis zu zwei Jahre Gefängnis. Außerdem können die geschädigten Hauseigentümer auf Schadenersatz klagen. Dieser zivilrechtliche Anspruch verjährt erst nach 30 Jahren.