Vor allem in den ersten sechs Wochen des laufenden Jahres kamen wieder vermehrt Karl-May-Fans nach Radebeul. Wagner hofft nun, dass 2004 wieder knapp 80 000 Besucher wie 2001 erreicht werden. 2002 verzeichnete das Museum nur noch 69 000 Besucher, und 2003 gab es mit 67 000 einen weiteren Rückgang.
Dabei hatte 2002 Wagner zufolge "sehr gut angefangen". Doch nach der Flutkatastrophe im August rutschten die Zahlen in den Keller, obwohl das Museum vom Hochwasser gar nicht direkt betroffen war. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2003 setzte sich dieser Trend fort. Die großen Reiseveranstalter hatten Sachsen bis August fast komplett aus dem Programm gestrichen, obwohl die schlimmsten Flutschäden längst beseitigt waren.
"Glück im Unglück" hatte man laut Wagner insofern, als die Gedenkfeiern erst im September einsetzten. Zunächst wurde das 15-jährige Bestehen des Freundeskreises des Museums begangen und am 1. Dezember feierte das Museum selbst seinen 75. Geburtstag. Am Jubiläumstag wurde auch die neue Jahresausstellung eröffnet. "Fantasie in Blauen Schwertern. Erich Hösel und die Indianer" schlägt mit Indianerdarstellungen auf Keramik und figürlichen Objekten eine Brücke zum Meissner Porzellan. Gezeigt werden die Exponate Hösels und anderer Porzelliner noch mindestens bis 31. Oktober 2004. Eine Verlängerung ist möglich.
Weitere Sonderausstellungen sind in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen. Wie jedes Jahr ist das Museum Mitveranstalter des Karl-May-Festes im Mai in Radebeul, plant für Juni ein Kinderfest und beteiligt sich im August am Dresdner Stadtfest.
Die Dauerausstellung wird laut Wagner um zwei Neuerungen bereichert. Die Abteilung "Kunst und Handwerk der Wüstenindianer Nordamerikas" wurde um einen wertvollen Korb der Navajos ergänzt. Es handelt sich um das Geschenk eines Münchner Privatsammlers. Neu ist auch eine Vitrine "Objekt des Quartals". Dort werden spezielle Exponate gezeigt, die sich nicht für die Dauerausstellung eignen, etwa besonders wertvolle und empfindliche Buchausgaben.
Stolz ist Wagner auf eine eigene Museumszeitung. Die erste Ausgabe erschien zum 75. Jubiläum. Künftig soll "Der Beobachter an der Elbe" zweimal jährlich herauskommen: zum Karl-May-Fest im Mai und zum Museumsgeburtstag am 1. Dezember. Der Titel sei aus der Historie gewählt worden, erläutert Wagner. 1875 hatte Karl May die Redaktionsleitung des Dresdner Wochenblattes gleichen Namens übernommen. Herausgeber war der langjährige Verleger Mays, Heinrich Gottlob Münchmeyer. 1877 kündigte May dann seine feste Anstellung, um fortan als freier Schriftsteller zu arbeiten.
Die erste Ausgabe der Zeitung enthält Beiträge zum Museum selbst, einen Bericht über Mays journalistische Arbeit, Touristisches aus der Oberelbe-Region, ein Interview mit Gojko Mitic, einen Aufsatz über Indianer, die als Weiße lebten, und Erinnerungen an den langjährigen Direktor des Karl-May-Museums, Patty Frank. Das Museum ist im Winterhalbjahr dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr, von März bis Oktober von 9 bis 18 Uhr sowie an allen Feiertagen geöffnet. Informationen im Internet: www.karl-may-museum.de