Mit einer schnellen Bewegung taucht Ute Langer eine weiße Kerze in einen mit Farbe gefüllten Topf. Einen Augenblick später hält sie einen dunkelgrünen Tannenbaum aus Wachs in der Hand. In der Spreewälder Kerzenmanufaktur in Neu Zauche sind derzeit vor allem Weihnachtsmotive gefragt. "Glocken- und Tannenbaumformen sind in diesem Jahr besonders beliebt", sagt Kerzenmacherin Ute Langer.

Allgemein gehören die Spreewaldgurken oder Frauen in sorbischer Tracht zu den häufigsten Motiven. Seit 1989 gibt es die Kerzenmanufaktur im Oberspreewald. "Wir haben uns noch vor der Wende, nämlich im Februar 1989, gegründet", sagt Langer. Damals sei es vor allem schwierig gewesen, das entsprechende Material zu bekommen. "Wir haben in der ganzen Region alte Kerzen aufgekauft", erinnert sie sich.

Kurz nach der Wiedervereinigung habe sie die alte Kerzengießmaschine erstanden, die in der Werkstatt am Fenster steht. Mit diesem Gerät können in einem Durchgang jeweils 80 Spitz- und 80 Renaissancekerzen hergestellt werden.

Vom flüssigen Paraffin zur Kerze

In der kleinen Werkstatt riecht es nach Paraffin, aus dem die Kerzen hergestellt werden. "Am Anfang steht immer die Urform", berichtet Langer. Das könne beispielsweise eine Figur sein. Daraus werde dann eine Silikonform gefertigt, die später mit flüssigem Wachs gefüllt wird. "Dafür muss das Paraffin auf 80 Grad erhitzt werden", beschreibt die Kerzenmacherin ihre Arbeit.

Während der Adventszeit seien vor allem Weihnachtsmotive gefragt. Von morgens bis abends füllt Langer immer wieder Glocken- und Tannenbaumformen. In der Mitte befestigt die 50-Jährige den aus Baumwollfäden bestehenden Docht. Nach etwa einer Stunde ist das Wachs fest und kann aus der Form geholt werden. Mit einem Bügeleisen glättet Langer die Unterseite, damit die Kerze im Stehen nicht wackelt. "Bei uns ist alles Handarbeit, jede Kerze ist ein Unikat", versichert sie. Auf Schnörkeleien verzichtet Langer bewusst. Ihre Werke haben klare Formen und wirken elegant. Auch von Duftkerzen hält sie wenig. "In geschlossenen Räumen kann das Kopfschmerzen verursachen", sagt sie zur Begründung.

Workshops in der Manufaktur

Ute Langer bietet regelmäßig Workshops an, bei denen die Teilnehmer ihre eigenen Kerzen herstellen können. Dabei erfahren die Gäste auch Wissenswertes rund um das Thema Kerzen und so manche Anekdote. Der Spreewälder Kerzenmacherin sind die sogenannten grauen Pflastersteine am liebsten. "Diese Kerzen brennen bis zu 40 Stunden und haben ein warmes Licht", sagt sie.

Bei den Gästen seien jedoch die Spreewälderinnen in blauer und roter Tracht sowie die grünen Spreewaldgurken besonders gefragt. Im Winter erhalten diese Kerzen mit weißer Farbe ein kleines Schneekleid. "Aus Paraffin und Stearin lässt sich vieles gestalten", schwärmt Langer, die auch Jubiläumskerzen zu runden Geburtstagen, Taufen oder Goldenen Hochzeiten fertigt.

Das Kerzenmachen ist einer der ältesten Handwerksberufe. Auch in der Spreewaldregion gehöre es zu den traditionellen Berufen, sagt Michel Havasi von der Handwerkskammer Cottbus. Ute Langer sei eine von zwei Wachsziehern im Kammerbezirk. Mit der Kerzenmanufaktur in Neu Zauche werde ein seltenes Handwerk am Leben gehalten. Jedoch sei es schwer, bei jungen Menschen Interesse dafür zu wecken. "Früher oder später wird dieser Beruf aussterben", befürchtet Havasi.

Die Kerzenmanufaktur in Neu Zauche ist aber auch ein wichtiges touristisches Angebot, wie Hans-Joachim Kohlase vom Fremdenverkehrsverein Oberspreewald einschätzt. In dem 1000-Seelen-Dorf gebe es rund 100 Gästebetten. Viele Besucher seien dankbar dafür, in ihrem Urlaub auch einmal etwas Praktisches machen zu können. "In der Kerzenmanufaktur können sie sich selbst ein schönes Andenken herstellen", sagt Kohlase.

www.spreewaelder-kerzen.de