Für die zahlreichen Konflikte in ihrer Region haben die arabischen Staaten bei ihrem Gipfeltreffen in Riad keine Lösungen gefunden. Der Libanon war mit zwei Delegationen vertreten, die nicht miteinander sprechen wollten. Die Iraker wollten zwar Hilfe annehmen, aber keine gut gemeinten Ratschläge. Doch immerhin: In ihrer Selbstkritik sind die Monarchen und Präsidenten ehrlicher als je zuvor. "Wir sind schuld, wir, die arabischen Führer mit unseren andauernden Konflikten", erklärte Gastgeber König Abdullah von Saudi-Arabien, und niemand wagte, ihm zu widersprechen. Erstens, weil es für die Gipfelteilnehmer schwer ist, Gegenargumente zu finden. Zweitens, weil man sich mit einem Mann, der den Titel "Beschützer der heiligen Stätten (des Islams)" trägt und der über das Land mit den größten Ölreserven der Welt herrscht, nicht so einfach anlegt .
Beobachter in Riad sahen bereits den "Beginn des saudi-arabischen Zeitalters in Nahost". Denn König Abdullah, der im eigenen Land großen Respekt genießt, hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger König Fahd außenpolitische Ambitionen. Der konservative Monarch will, dass die Araber ihr Schicksal endlich selbst in die Hand nehmen, um ausländischen Mächten künftig keinen Anlass mehr für Einmischung und Militärinterventionen zu bieten. Und obwohl das islamische Königreich Saudi-Arabien seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Washington pflegt, nehmen viele Araber seine Appelle ernst. Seine Unabhängigkeit von den USA stellte Abdullah bei dem Gipfel demonstrativ zur Schau, indem er die "illegale Besatzung im Irak" anprangerte.
Pflöcke hat der würdig wirkende Monarch bereits zuvor eingeschlagen: Im Februar zwang er die Palästinensergruppen Fatah und Hamas zur Bildung einer Einheitsregierung. Und anschließend lud er als erster arabischer Staatschef den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ein, um ihm kritische Fragen zu Teherans Atomprogramm zu stellen.
Die ägyptische Führung sieht unterdessen ihre Rolle als wichtigster Vermittler in der Region bedroht. "Wenn Ägypten nicht weiterhin hinter den Kulissen die Strippen ziehen würde, könnten die Saudis gar nichts machen und ohne die Hilfe unseres Geheimdienstes würden sich die Palästinenser in Gaza immer noch gegenseitig umbringen", erklärte der stellvertretende Chefredakteur einer regierungsnahen Kairoer Tageszeitung mit zusammengepressten Lippen.