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In Mühlberg wird die Schlacht lebendig

Mühlberg. Museum "Mühlberg 1547", so heißt jetzt das einstige Stadtmuseum im ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus des Propstes in der Elbestadt (Elbe-Elster). Am 24. April – just an dem Tag, als im Jahre 1547 die Schlacht bei Mühlberg tobte – wird das Museum mit Ehrengästen eröffnet. Einen Tag später sind Besucher zum Tag der offenen Tür eingeladen. Frank Claus

Nach fast dreijähriger Bauzeit wird das Museum "Mühlberg 1547" in dieser Woche übergeben. Noch bestimmen die Ausstellungsbauer das Bild. Überall wuseln Restauratoren, Tischler, Werbegestalter. Elektriker vollziehen die letzten Tests.

Mühlbergs Museum, es wird ein besonderes in Brandenburg werden. Es ist von vier Ausstellungsbereichen, die auch farblich unterschiedlich gestaltet sind, geprägt. Die Reformationsgeschichte wird blau gestaltet, die Stadtgeschichte grün. Die Entwicklung des geschichtsträchtigen Hauses selbst wird im weißen Ton gezeigt, die Dokumentation zu den Lagern Stalag IV-B und dem daraus hervorgegangenen Speziallager NKWD Nr. 1 erfolgt auf orangenem Grund.

Über die Bedeutung des Mühlberger Museums sagt Dr. Lars-Arne Dannenberg: "Ich kann immer wieder nur hervorheben - Mühlberg ist d e r brandenburgische Akteur in der Reformationsgeschichte. Fürsten und Söldner aus halb Europa trafen hier in der Entscheidungsschlacht des Schmalkaldischen Krieges am 24. April 1547 aufeinander. Bis heute künden zahlreiche Zeugnisse von diesem Ereignis. So die Fresken im Turm des Zeughauses am spanischen Herzogssitz Alba de Tormes in der Provinz Salamanca."

Überhaupt verbindet man in Spanien viel mit dem Namen Mühlberg. Nicht nur durch das Bild von Kaiser Karl V., das sich in der Sammlung des Madrider Prado-Museums befindet, ist die Elbestadt bekannt. "Es gibt keine vergleichbare Sammlung an lithurgischen Handschriften in der Umgebung, selbst nicht in Meißen", weiß Kurator Dannenberg. Zur Eröffnung des Mühlberger Museums wird deshalb der spanische Botschafter erwartet. Herzstück der Ausstellung wird ein Medientisch sein, an dem die Besucher die Schlacht von 1547 über authentische Augenzeugenberichte aus verschiedenen Blickwinkeln der an der Schlacht Beteiligten nachempfinden können.

Die Sanierung des Mühlberger Museums hat einige Überraschungen zutage gefördert - Wandmalereien im Inneren und Fundamente der vermutlich ältesten Kornbrennerei Brandenburgs aus dem 16./17. Jahrhundert im Außenbereich.

Und spannend ist die Hausgeschichte selbst: Vor 484 Jahren hat der damalige Kloster-Propst Konrad Gundeloch außerhalb des eingehegten Klosterbereichs von Mühlberg 1531 ein "Geistliches Haus" erbauen lassen, das nach der Aufhebung des Klosters sogleich in seinen privaten Besitz überging. Kurfürst August kaufte den Bau 1570 und schlug ihn mitsamt Äckern zunächst wieder dem Klostergut/Rittergut zu. Dann ging die Neue Propstei, sie beherbergt seit 1926 das Stadtmuseum von Mühlberg, durch zahlreiche Hände, bis sie ab den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts und bis zur Übernahme in städtischen Besitz nach dem Ersten Weltkrieg auf Dauer zum Gut Güldenstern gehörte.