Ka lt und zugig ist es an diesem Sonntag auf dem Domplatz in Limburg. Im scharfen Wind knattern die Fahnen des Bistums. Darunter haben sich nach der Sonntagsmesse trotz der ungemütlichen Witterung rund 150 Gläubige versammelt. Um zwölf Uhr mittags brandet spontaner Beifall auf: Die Domuhr - sie hat nicht zwölf, sondern dreizehn Mal geschlagen. Das ungewöhnliche Geläut ist Teil einer spontanen Protestaktion gegen den heftig umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Aufgerufen haben engagierte Christen aus dem gesamten Bistum.

Unter ihnen ist Joachim Schaefer, Pastoralreferent der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar. Wie seine Mitstreiter in den Glockenturm gelangt sind, um an der Uhr zu drehen, will er nicht verraten. Man habe ein Zeichen setzen wollen, sagt er nur. "Ich schätze, dass 90 bis 95 Prozent der Gläubigen im Bistum für den Rücktritt des Bischofs sind." Ihnen wolle man ein Forum geben, um Protest auszudrücken. Viele hätten immer noch Angst, ihre Meinung öffentlich zu äußern - für Schaefer ein Teil des Problems: "Es gibt in der katholischen Kirche keine demokratische Kultur, keine Streitkultur."

Die Messe um 10.15 Uhr ist mit rund 200 Gläubigen gut besucht. Den Bischof bekommen sie indes nicht zu Gesicht. Der ist inzwischen nach Rom gereist, wie sein Sprecher am Sonntag bestätigt.

Den Gottesdienst leitet Dompfarrer Gedeon Rehberg. Einige Messbesucher äußern sich im Anschluss zurückhaltender über Tebartz-van Elst als die Kritiker vor dem Dom. "Wir hatten die vergangenen fünf Jahre einen sehr guten Bischof, der viel für die Gemeinde getan hat", sagt Manfred Schäfer aus Limburg. Nun werde der Bischof vorverurteilt, viel Dreck über ihm ausgeschüttet. "Das finde ich ein bisschen unfair."

"Ich schätze es so ein, dass der Bischof psychisch krank ist", sagt dagegen Gerhard Krach, der nach eigenen Angaben seit 1945 allen Bischöfen als Messdiener gedient hat. Allen - außer Tebartz-van Elst. Zur Ehrenrettung des Bischofs müsse er aber sagen, dass ihm der Bischof persönlich auf einen Beschwerdebrief geantwortet, ihn sogar zum Gespräch eingeladen habe. Dazu gekommen ist es bislang nicht. Um fünf Minuten vor zwölf stimmen die Kritiker auf dem Domplatz um Joachim Schaefer ein Lied an mit dem Titel: "Andere Lieder wollen wir singen."

Frank Speth, ein Theologe aus Hadamar, der das geistliche Forum moderiert, ergänzt: "Lieder nicht des Reichtums und des Klerikalismus wollen wir singen. Sondern Lieder von Transparenz und Demokratie." Einige Gläubige äußern sich über ein offenes Mikrofon. "Ich bin hier, weil ich mir meinen Glauben nicht kaputtmachen lassen will", sagt eine Frau. "Ich bete für die Heilung von der Großmannssucht unseres Bischofs", erklärt ein anderer Katholik.

Zum Thema:
Der Kirchenkritiker und Theologe Eugen Drewermann (73) hat den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in Schutz genommen und Kritikern Scheinheiligkeit vorgeworfen. "Ich finde es nicht richtig, dass ein Mann, der mit dem Rücken zur Wand steht, skandalisiert wird für ein Problem, das nicht personell, sondern strukturell ist", sagte Drewermann der "Neuen Westfälischen". Die katholische Kirche habe enorme Rücklagen und sei der größte Großgrundbesitzer in Deutschland. "Das ist der eigentliche Skandal, nicht der Limburger Bischof." In Köln und München lebten die Bischöfe auf größerem Fuß als in Limburg.

Zum Thema:
Wer die Residenz des katholischen Bischofs von Görlitz sucht, muss in der Neißestadt schon einmal genauer hinschauen: Zwei Wohnhäuser aus der Vorkriegszeit beherbergen die Wohnung des Bischofs und die gesamte Verwaltung der erst 1994 aus den westlich der Neiße gelegenen Resten des Erzbistums Breslau gegründeten Diözese. Und die Kathedrale St. Jakobus wirkt von außen wie eine ganz normale Stadtpfarrkirche. Luxus jeder Art ist den Lausitzer Katholiken eher fremd - was man auch am Bistumshaushalt sieht: Der Jahresetat des zwischen Görlitz und Eisenhüttenstadt rund 28 000 Gläubige zählenden Lausitzbistums beträgt gerade einmal etwa 15 Millionen Euro. Also etwa nur ein Drittel von dem, was das Limburger Diözesanzentrum nun kosten soll. "Tragisch" nennt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt dann auch den Fall seines Mitbruders Tebartz-van Elst. "Ich hoffe auf eine schnelle Klärung, und dass dort möglichst große Transparenz hineinkommt", sagte Ipolt am Sonntag der RUNDSCHAU. "Es ist nicht meine Sache, so von weitem über Andere zu urteilen", sagt die Lübbenauer CDU-Landtagsabgeordnete Roswitha Schier, die auch Mitglied im Diözesanrat, der Laienvertretung, des Bistums Görlitz ist. Dennoch sei sie "sprachlos" über die Nachrichten aus Limburg: "Wenn man den Papst sieht, der für die Ärmsten der Armen kämpft, dann ist das schon ein Kontrastprogramm." Sie sei froh darüber, dass es im Lausitzbistum deutlich mehr Offenheit und einen durchsichtigen Umgang mit den Finanzen gebe, so Schier gegenüber der RUNDSCHAU.