Schröder sonnte sich im Erfolg
Während die heimische Kritik am unklaren wirtschaftspolitischen Kurs des Kanzlers noch widerhallte, sonnte sich Schröder Freitagnacht strahlend, mit Außenminister Joschka Fischer (Grüne) an seiner Seite, im Rampenlicht der traditionellen Abschlusspressekonferenz. "Das war ein großer Tag für Europa. Und weil es ein großer Tag für Europa war, war es auch ein großer Tag für Deutschland. Das gehört zusammen", freute sich der deutsche Regierungschef nach getaner Arbeit. Deutschland habe vor und während der zähen Erweiterungsverhandlungen "die ihm zukommende, selbstbewusste, aber zurückhaltende Rolle gespielt", bewertete Schröder den Part der Berliner EU-Diplomatie - es klang wie ein Glückwunsch an die eigene Adresse.
Ein derart zufriedenes Tremolo konnte man beim Kanzler schon seit Monaten nicht mehr wahrnehmen. In Kopenhagen schienen die Strapazen des Wahlkampfs und dessen hauchdünnen Finales sowie die anschließende Serie wirtschaftlicher Hiobsbotschaften - zumindest vorerst - vergessen. Vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erst kürzlich zum "Kanzler ohne Freunde" erklärt, kann sich Schröder nun damit schmücken, dass es eine deutsche Idee war, die den vertrackten Verhandlungen zur Erweiterungsfinanzierung den letztlich entscheidenden Schwung verlieh. Weil der Gipfel bei den Ausgaben über die im Oktober in Brüssel von den Staats- und Regierungschefs beschlossenen Summen hinausging, kann Polen die Verhandlungsresultate in Sachen finanzieller Zulagen nun plausibel einer kritischen Öffentlichkeit verkaufen. Kanzler Schröder schreckte - in aller Bescheidenheit &nd ash; davor zurück, den Gipfelerfolg nur für sich allein zu reklamieren. Deshalb teilte er kräftiges Lob aus in Richtung der skandinavischen Gastgeber: "Die dänische Präsidentschaft hat außerordentlich kluge Vorschläge gemacht".
Doch es war nicht EU-Ratspräsident und Dänemarks Regierungschef Anders Fogh Rasmussen, der die Journalisten am Freitagnachmittag eilig zur Verkündung des Durchbruchs zusammentrommeln ließ. Vielmehr war es Schröder, der einen Finanztransfer von etwa einer Milliarde Euro zwischen 2004 und 2006 an Polen, den größten der Beitrittskandidaten, publik machen durfte. Darauf hatten sich die 15 kurz zuvor geeinigt. "Ich gehe davon aus, dass die jetzt gefundene Lösung akzeptiert wird. Dass Polen mit Fug und Recht behaupten kann, es ist uns auf dieser Grundlage möglich, abzuschließen", diktierte der Kanzler triumphierend in die Schreibblöcke.

Sogar Fischer war beeindruckt
Der Regierungschef des größten Nettozahlers der EU beeindruckte mit seinen Gipfelmanövern sogar den krisenerprobten Chefdiplomaten Fischer. "Dass der heutige Tag möglich wurde", hänge an der Entschlossenheit des Bundeskanzlers, lobte der Außenminister. "Als es hart wurde gerade in den Verhandlungen mit Polen" habe der Bundeskanzler den ausschlaggebenden Vorschlag aus der Tasche gezogen, erläuterte Fischer. Und da genoss Schröder schließlich auch die innenpolitische Komponente des Gipfelerfolgs: "Ich freue mich auch über das Lob des Koalitionspartners in gelegentlich schlechten Zeiten."