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In Geiselhaft der Pharma-Lobby

Berlin. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage sind die allermeisten Bürger, die regelmäßig verschreibungspflichtige Arzneimittel benötigen, mit der Versorgung hoch zufrieden. Gut zwei Drittel vergeben dafür die Note "1" oder "2". Stefan Vetter

Und selbst wenn ein bestimmtes Medikament in der Apotheke gerade nicht vorrätig ist, wird es für den Patienten in 99 Prozent aller Fälle noch am gleichen oder am Folgetag geliefert. Das ist vorbildlich. Gemessen am europäischen Standard gilt eine Wartezeit von drei Tagen als unkritisch.

"In den Krankenhäusern ist die Situation allerdings deutlich dramatischer als im ambulanten Sektor", warnte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), Rudolf Bernhard, auf einer Presskonferenz mit Kassen- und Ärztevertretern in Berlin. Betroffen seien im Wesentlichen Arzneimittel, die auch nur für den Klinikbereich hergestellt würden, darunter viele Lösungen zur Injektion wie Antibiotika sowie Krebs- und Narkosemittel.

Nach einer Untersuchung seines Verbandes waren im vergangenen Monat Arzneien mit 280 verschiedenen Wirkstoffen nicht verfügbar, darunter 30, die die jeweilige Klinikapotheke als versorgungskritisch einstuft. Dadurch mussten zum Beispiel Stammzellentransplantationen verschoben werden. Von den betroffenen Arzneien dieser 30 Wirkstoffe hätten die Hersteller lediglich acht an das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gemeldet. "Das hat keine Konsequenzen für die Hersteller. So geht das nicht weiter", klagte Bernhard.

Bereits in den vergangenen Wochen waren Lieferengpässe bei überlebenswichtigen Präparaten bekannt geworden. Experten führen das auf fehlende Transparenz am Markt zurück, aber auch auf die Tatsache, dass es sich häufig nur um sehr wenige Hersteller etwa in China oder Indien handelt. Daher kann auch eine alternative Versorgung zum Problem werden.