Und wer den Regierungschef schon öfter begleitet hat, merkt schnell, dass seine Reisen dorthin etwas Besonderes sind. Seit 2007 hat er "nicht zuletzt als Christenmensch" jedes Frühjahr das Land besucht. Israel ist für ihn die besondere Herausforderung.Gedenken an den HolocaustNatürlich begleiten ihn auch auf dieser Reise einige Unternehmer des Landes auf der Suche nach neuen Märkten. Aber die üblichen Treffen mit Wirtschaftsvertretern stehen diesmal nicht im Mittelpunkt. Als Platzeck am Sonntagabend anreist, beginnt in Israel landesweit der Gedenktag an die Millionen ermordeter Juden im von Deutschen beherrschten Europa. Der Ministerpräsident sitzt mitten unter Hunderten von Menschen in einer Veranstaltung der Regierung, auf der ihn keiner begrüßt und hört zu, zusammen mit einigen ebenfalls aus Brandenburg angereisten Jugendlichen, versteht die Sprache nicht und versteht doch, dass für ihn kein Platz wäre als Ehrengast. Tags darauf kommt er an in einem Konflikt, an dem schon ein halbes Dutzend US-Präsidenten und Bundesaußenminister gescheitert sind, einem Konflikt zwischen Juden und Arabern, der wiederum ohne den Völkermord der Nazis nicht zu verstehen ist. Da begrüßen ihn, ganz wie in Brandenburg, Sozialarbeiter und eine Schuldirektorin mitten in den sozialen Brennpunkten Israels und Ostjerusalems, dem völkerrechtlichen Niemandsland. Da überreicht er einen Scheck, stellt Fragen, die er auch in der Uckermark stellen könnte, und weiß doch genau, dass es hier im Grunde um ganz andere Fragen geht - um Frieden und Krieg. Nirgendwo in der westlich Welt sind die Probleme größer, ist ihre Lösung weiter entfernt und die Hoffnung öfter gestorben als in Israel. Und doch ist der Judenstaat der einzige, der den Potsdamer wirklich gefangen genommen hat - als ob ihm die Normalität des Westens bis heute nicht geheuer wäre.Internationales BrandenburgDann trifft er dort aber auf Firmen, die zwar am Ufer des Mittelmeeres arbeiten, genauso gut aber an das Mekka der Moderne, an den Pazifik in Kalifornien passen. Unternehmen, die davon leben, kreative Alternativen an Wertschöpfung zu entwickeln. Die braucht Brandenburg, um die bemüht sich Platzeck. Er sagt, dass Brandenburg "internationaler" geworden ist. Er freut sich über die Netzwerke, die allmählich entstehen, an denen beispielsweise Hasso Plattner seinen Anteil hat, der mit Eran Davidson einen Israeli nach Potsdam brachte, um Risikokapital so zu verteilen, dass es Wege öffnet in die neue Zeit. Platzeck ist in Israel ein Politiker, der auf sehr subtile Weise die Widersprüche sucht, die sein eigenes Land prägen - ein Haufen scheinbar unlösbarer Probleme - und dann wieder der Wunsch, dass sie verschwinden könnten im großen Wurf der Zukunft. Platzeck ist in Tel Aviv unterwegs in fremden Welten, und doch wieder angekommen zu Hause.