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| 18:31 Uhr

In Erwartung Seehofers - Der CSU-Chef auf Tour in Moskau

„Gibt etwas, was Bayern und Russland besonders miteinander verbindet?“ fragt ein russischer Nutzer in den sozialen Medien. Die Antwort liefert er gleich mit. Ein fast „familiäres Verhältnis von Kirche, Politik und Wirtschaft“. Klaus-Helge Donath

Auch die Dominanz einer Partei sei nicht zu übersehen, meint der kundige Nutzer. Nicht zuletzt fühlten sich beide auch von ihrer Umgebung ungerecht behandelt.

Demnach gibt es eine breite Gesprächsgrundlage für den bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der am Donnerstag in Moskau den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen wird. Die russische Seite hält sich bedeckt. Zum Fahrplan des Tete-a-tete und den russischen Vorstellungen zur Visite war im Vorfeld nichts zu erfahren.

Dass der bayrische Ministerpräsident mit großer Aufmerksamkeit rechnen darf, steht jedoch fest." Ranghohe westliche Politiker kommen zurzeit nicht nach Moskau", meint Lilija Schewzowa vom Brookings Institut in Moskau. Jedem westlichen Gast wird daher Aufmerksamkeit zuteil. Marine Le Pen, die Chefin des französischen Front National besuche Moskau häufiger. Neben der französischen Rechtspopulistin sind auch andere antieuropäische Politiker aus der EU in Russland gern gesehen.

Der Kreml hätte in der EU sehr erfolgreich die Politik des "teile und herrsche" betrieben, meint die renommierte Politikwissenschaftlerin. Dennoch hätte Moskau Eins unterschätzt: wie diszipliniert alle EU-Staaten an den Sanktionen gegenüber Russland festhalten. "Selbst der weiche Unterleib aus Österreich, Italien und Ungarn bleibt bei der Stange", sagt sie. Moskaus Führungsriege hat das nicht erwartet.

Dennoch sei seit einiger Zeit im Westen das Verlangen erkennbar, die Isolation Russlands zu überwinden, ohne gegen eigene Prinzipien zu verstoßen. Könnte Seehofer in die Fußstapfen sozialdemokratischer Ostpolitik treten? Mit Blick auf die Sanktionen Lockerungen in Aussicht stellen? Eignet sich der Bayer als Trojanisches Pferd? Diese Fragen stelle sich der Kreml. "Ich bin beunruhigt und zöge es vor, wenn Deutschland zu seinen Prinzipien stehen würde", sagt sie als Vertreterin der liberalen Intelligenz. Deutschland fällt im russischen Kalkül auch in trüben Zeiten noch eine Schlüsselrolle zu. Ob bei den Sanktionen oder der potentiellen Investitionsbereitschaft.

Der Kreml lotet aus: klappt es mit Brüssel nicht, vielleicht lässt sich Berlin dann doch allein bewegen. An Trojanischen Pferden herrsche in Deutschland schließlich kein Mangel. Zentraler Punkt bleibe im Umgang mit Russland daher die Frage, inwieweit der Westen in der Ukraine weiterhin an einer gemeinsamen Position festhalte. Kiew sei für die Klärung des Verhältnisses zu Russland wichtiger als das gemeinsame Vorgehen in Syrien, meint Schewzowa.

Möchte Seehofer nur den harten Kurs unterstreichen, müsste er nicht vorsprechen. Will er vorfühlen, ob und unter welchen Bedingungen mit einer Normalisierung in den Beziehungen zu Russland zu rechnen ist? Oder will er nur den bayrischen Unternehmen einen noch größeren Anteil am schrumpfenden russischen Markt verschaffen? Fest steht zumindest. In Moskau wird er lieber gesehen als in Berlin.