Als Stephan Wienhardt mit seinem Pkw und dessen wertvoller Fracht am Donnerstag gegen 15.30 Uhr vor dem Eingang des Sternenparks hält, hat er etwa 330 Kilometer von Celle aus in den Schönewalder Ortsteil zurückgelegt. Er blickt zum Himmel und lächelt: strahlendes Blau und wolkenlos - ein idealer Mix für seine Leidenschaft. "Sterne gucken, staunen, fotografieren - und sich mit Gleichgesinnten austauschen", verrät der Mann, der von Beruf Maschinenbauingenieur ist. Zelt, Teleskop und Fotoausrüstung platziert er auf der Nordwiese. "Hier stehen die Astrofotografen, während die Südkurve den Beobachtern vorbehalten ist", erklärt Michael Möckel aus Chemnitz. Er arbeitet freiberuflich als Informatiker und weiß: "Hier sind sämtliche Berufsgruppen versammelt: Lokführer ebenso wie Ärzte, Techniker, Beamte." Vor Jahren hatte der Sachse vor, sich eine private Sternwarte in Heimatnähe zu bauen. Doch Kontakte zu Ralf Hofner aus Falkenberg, Vereinsvorsitzender des gastgebenden Astro-Teams Elbe-Elster, ändern im Jahr 2009 die Planung: Er hilft mit, die Vereinssternwarte in Jeßnigk zu errichten und sponsert hauptsächlich das Equipment: "Die Wetter- und Lichtverhältnisse sind extrem günstig. Wir haben in Südbrandenburg weit mehr Sonnenstunden als anderswo", schwärmt er. Das ist aber nicht alles: Gerade das Fehlen von Industrie-Zentren mit grell leuchtenden Reklamen markiert für die Sternenfreunde schlichtweg das Paradies. "Außerdem unterstützen die Städte Schönewalde, Schlieben und Herzberg, indem sie extra die Straßenbeleuchtung zurückfahren", erzählt Möckel. Alles Helle, was nachts die Sicht ins Firmament beeinträchtigt, bedeutet Lichtverschmutzung. Dazu gehört sogar die vom bloßen Auge kaum wahrnehmbare Lichtglocke von Berlin.

Auf dem Weg zur Südkurve der Wiese, wo er die am weitesten angereisten Gäste vermutet, zeigt Möckel auf Autoleuchten, die mit Silberfolie abgeklebt sind: "Absolut richtig. Denn sobald jemand nachts sein Fahrzeug öffnet und Blinker aufleuchten, zieht ein Murren über die Wiese." Einige Schritte weiter klopft er an ein Wohnmobil mit schwedischem Kennzeichen. Mag sein, dass sich Crister Jansson (58) und Leif Jönne (73) eine Weile aufs Ohr gelegt hatten, weil die Nacht lang wird. Als sie die Tür öffnen, dauert es jedoch nur Momente, bis sie - putzmunter - einander auf die Schultern klopfen und fachsimpeln. Immerhin war Crister Jansson sogar dabei, als der schwedische Astronaut Christer Fuglesang 2006 zum ersten Raumflug vom Kennedy Space Center in Florida startete.

Für die mehr als 400 deutschen Teilnehmer, für die Schweden, aber auch für Sterngucker aus Dänemark, Kroatien, Liechtenstein, Tschechien und England zählt das Jeßnigker Treffen zu den besten in Europa. Übers Internet wird darüber sogar weltweit diskutiert. Das zeigt auch der Vortrag der renommierten Astrophysikerin Marie-Luise Menzel. Sie nimmt ihr Publikum mit auf eine Reise vom Urknall bis in die Zukunft - ein Ohren- und Augenschmaus für die Hobbyastronomen. Denn Menzel würzt mit Erkenntnissen ihrer Arbeit an den größten Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile.

Aber nicht nur hochrangige Lektoren und Workshops machen das hohe Niveau der Jeßnigker Sternenparty aus. Dirk Landrock vom Vorstand des AstroTeams Elbe-Elster freut sich: "Von der Rundum-Verpflegung angefangen, mit der uns Familie Franke verwöhnt, über das Interesse der Einwohner vor Ort - und freilich bis hin zur Schönwetter-Garantie haben wir hier einen guten Platz gefunden. Wer möchte, kann bis zum heutigen Samstag gern mal vorbeikommen."

Zum Thema:
Die Abwesenheit eines wirklich dunklen Nachthimmels - auch Lichtverschmutzung genannt - beeinträchtigt auch die wissenschaftliche astronomische Forschung. Über einer hell erleuchteten Stadt sind mit bloßem Auge meist nur noch wenige sehr helle Sterne zu sehen. Ausgedehnte lichtschwächere Objekte wie die Milchstraße, die Große und die Kleine Magellansche Wolke, die Andromedagalaxie oder den berühmten Großen Orionnebel kennen viele Menschen gar nicht mehr. Sternwarten, die noch im 19. Jahrhundert in Großstädten arbeiteten, stellten mittlerweile den wissenschaftlichen Betrieb ein oder wurden an abgelegene Orte verlagert.